Zwei problematische Erkenntnisse der englischen Woche

Borussia Mönchengladbach startet mit vier Punkten aus drei Bundesligaspielen ins neue Jahr. Eine Ausbeute, die grundsätzlich in Ordnung geht. Dennoch bleiben nach den letzten beiden Auswärtsspielen zwei zentrale Probleme im Gedächtnis, die @denizguelr näher analysiert.

Erste Erkenntnis: Fehlende Intensität im Gladbacher Pressing

Cheftrainer Eugen Polanski hatte zum Jahresauftakt dazu aufgerufen aktiver verteidigen zu wollen. Borussias Defensivspiel im Laufe der Hinrunde war äußerst kompakt und darauf bedacht Zonen zu kontrollieren. Der aktivere Defensivansatz soll also stärker den Ballgewinn forcieren. Bei der Umsetzung ergaben sich individuell, wie strukurell Probleme. Einerseits war die Fohlenelf organisatorisch im Spiel gegen Augsburg zu tief in der Höhe der Abwehrkette; um gegen den HSV dieselben Probleme nun mit der Mittelfeldkette zu haben.

Borussias zu tiefe Mittelfeldkette
Borussias zu tiefe Mittelfeldkette

Doch auch individuell haperte es. Besonders deutlich wurde dies im Auswärtsspiel gegen die TSG: Die Abwehrkette stand zwar nah an Asllani, Lemperle und Co., zeigte aber kaum Absichten, in Zweikämpfe zu gehen. Durch die hohe letzte Linie bei gleichzeitig fehlender Intensität gelang es Hoffenheim viel zu einfach, zwischen und hinter Gladbachs Linien zu spielen.

Gladbachs fehlende Intensität im Pressing

Zweite Erkenntnis:
Veraltete Positionsspielstrategie gegen mannorientiertes Pressing

Gladbach begleitet ein Problem, welches sie schon länger – bereits unter Ex-Trainer Seoane – auf der Agenda haben: Borussias Strategie im Positionsspiel ist veraltet, vor allem gegen manndeckende Pressingteams. Die Spiele Augsburg und Hoffenheim/ Hamburg verdeutlichen sehr gut, wieso das so ist. Mannschaften, wie Manuel Baums Augsburg verteidigen im klassischen 5-2-3 mit Fokus auf Zonenkontrolle. Das Verteidigungsprinzip der reinen Raum- und Zonenorientierung hat seine Schwächen gegen das klassische Positionsspiel. Borussia konnte über eine äußerst breite Positionierung der Dreierkette und der Aufteilung im Zentrum von Neuhaus und Engelhardt oft genug in die Verlagerung kommen, um daraus resultierend in eine Angriffsdynamik zu gelangen, die einen Zutritt in die gegnerische Box ermöglicht – exemplarisch der Führungstreffer von Joe Scally.

Gladbach in der Breite
Gladbach in der Breite

Das klassische Positionsspiel, welches Pep Guardiola perfektionierte und in den 2010er-Jahren in die Bundesliga brachte, ist mittlerweile eins, welches nahezu jede Mannschaft in den europäischen Top-Ligen, in der ersten, sowie zweiten Liga, beherrscht. Das Problem beginnt damit, dass Jürgen Klopp mit Liverpool eine Antwort darauf fand: Intensives Pressing, welches die Mannorientierung und teils Manndeckung forcierte.
Überzahlspieler, die sich unter Pep Guardiola durch Zonenaufteilungen bildeten, sind durch Manndeckungen im 1vs1 nicht mehr gegeben.
Daher gibt es Mannschaften und Trainer, die in den letzten Jahren Spielkonzepte entwickelt haben, um Manndeckungen zu schlagen. Beispielsweise ist das Konzept „Spiel über den Dritten“ sehr populär. Es gibt Trainer, wie Spaletti in Italien, die gar davon sprechen dass „Systeme nicht mehr existieren würden, sondern nur noch Räume“ und man „den Mut haben müsse, den Schritt zu wagen, selbst wenn man unter Druck gesetzt wird“.

Ausschnitt der Analyse bei BorussiaXplained.de am 21.01.2025

Die Borussia möchte diesem Konzept entgehen. Borussia streckt sich unter Gegenerdruck auf dem ganzen Feld horizontal, wie vertikal, in ihren Staffelungen. Das ist ein Impuls, welcher sich oft ergibt: So möchte man den Gegner auseinanderziehen, um in große Räume rein spielen zu können. Das Problem dabei ist, dass man dabei seine Mitspieler verliert und dadurch die Interaktion.

Borussia hatte gegen Hoffenheim und Hamburg kaum Momente, in denen sie das Pressing be- oder gar überspielen konnten. Gladbach zwang sich durch die fehlenden Interaktionen in Zwischenzonen selbst dazu, früh lang zu schlagen und auf Tabakovic zu hoffen. Gegen den HSV gewann Tabakovic 2 seiner 8 Luftduelle.

Gladbachs zu große Distanzen im Ballbesitz- und Positionsspiel

Nicht nur strukturell, auch individuell muss Borussia ihre Spieler im Ballbesitz weiter entwickeln. Das Bespielen der Zwischenlinien, das Timing der Pässe, die Aufdrehbewegungen bei Ballerhalt und die Gegenläufigkeit in der Tiefe sind Dinge, die es dringend aufzuarbeiten gilt, um die Qualität der Ballbesitzphasen zu steigern.

Beispiele für individuelle Fehler im Ballbesitz

Borussia muss endlich Schritte im modernen Fußball angehen

Um es klar zu sagen: Borussias Punkteausbeute im neuen Jahr ist völlig in Ordnung und spiegelt vermutlich wider, was der Kader zu leisten imstande ist. Dennoch bleiben einige Themen mit denselben Problematiken behaftet, mit denen man bereits in den vergangenen Saisons konfrontiert war. Insbesondere das Spiel mit Ball ist veraltet.

Gladbach hat genug Qualität im Passspiel, um sich gegen Manndeckungen mehr zuzutrauen als bisher. Die Pressingprobleme waren vor allem gegen den HSV problematisch, da sich in diesem Spiel die größten strukturellen Nachteile ergaben. Die 5-4-1-Formation ist äußerst flach gestaffelt und von sich aus darauf bedacht, eher den Raum zu kontrollieren und kompakt zu stehen. Rocco Reitz musste aus dieser Position mehrmals lange Pressingwege gehen, ohne dabei Intensität aufbauen zu können – und gab gleichzeitig Räume im Rücken für gegnerische Pässe frei.

Aktivität und Intensität mit der Staffelung gegen den Ball in Einklang zu bringen, wird neben der dringend benötigten Weiterentwicklung mit Ball von zentraler Bedeutung sein, wenn die Borussia „den nächsten Step“ tatsächlich gehen will.

Ausschitt einer Analyse bei BorussiaXplained.de – 21.01.2025

Eine Analyse von Deniz Güler (@denizguelr).

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