Roland Virkus – Im Sinne des Vereins, im Rahmen seiner Möglichkeiten

Foto: Jens-Dirk Päffgen

Ein Kommentar von Lucas

Mit der Trennung von Roland Virkus endet bei Borussia Mönchengladbach ein Kapitel, das sinnbildlich für die schwierige Übergangsphase nach der Ära Eberl steht. Ein Kapitel, das von Loyalität geprägt war – aber auch von fehlender Vision, zögerlichen Entscheidungen und der Unfähigkeit, den Verein sportlich wieder auf Kurs zu bringen.

Als Virkus im Februar 2022 das Amt des Sportdirektors übernahm, befand sich Borussia in einer ihrer unruhigsten Phasen seit einem Jahrzehnt. Der abrupte Rücktritt von Max Eberl hatte ein sportliches, strukturelles und emotionales Vakuum hinterlassen. Die Mannschaft steckte in einer Ergebniskrise, die wirtschaftliche Lage war angespannt, der Kader überaltert und teuer. In dieser Gemengelage entschied sich der Verein bewusst für eine interne Lösung – für einen Mann, der Borussia kannte, jedoch nicht für einen, der neue Impulse versprach.

Virkus, zuvor langjähriger Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, trat damit in große Fußstapfen. Seine Berufung war intern konsequent, extern umstritten. Ihm fehlte die Erfahrung auf der großen Bühne, doch er brachte ein tiefes Verständnis für die Strukturen, Werte und DNA des Vereins mit. Der Fokus lag klar darauf, Stabilität zurückzugewinnen.

Die Realität aber zeigte, wie schwer es ist, ein bestehendes System im Umbruch neu auszurichten. Wichtige Spieler verließen den Klub ablösefrei oder unter Wert, der Umbruch geriet ins Stocken. Transfers wie die von Julian Weigl oder Franck Honorat zeigten zwar den Versuch, Qualität und Charakter zu verbinden, doch die Mannschaft blieb sportlich wechselhaft. Unter Trainern wie Daniel Farke und später Gerardo Seoane gelang es nicht, eine klare Handschrift zu etablieren.

Virkus brachte aus seiner Zeit als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums viel Vereinswissen, Integrität und ein vermeintlich gutes Gespür für junge Spieler mit. Doch auf der großen Bühne der Bundesliga offenbarten sich schnell Grenzen: Der notwendige Umbruch verlief schleppend, der Kader blieb unausgewogen. Eine oftmals frustrierend zögerliche Transferpolitik und ein sportlicher Abschwung prägten seine Amtszeit.

Virkus hatte in seiner Zeit stets mit einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zu kämpfen. Die Nachwirkungen der Pandemie, auslaufende Verträge und der Spagat zwischen sportlichem Anspruch und finanzieller Vernunft ließen nur begrenzten Handlungsspielraum. Seine Kommunikation wirkte oft unbeholfen, defensiv, selten visionär – was in den oft unruhigen Zeiten oft den Eindruck eines Mangels an Führungsqualität erweckte.

Was Virkus nie gelang, war die Entwicklung einer klaren, wiedererkennbaren Linie. Borussia blieb in diesen Jahren ein Verein im Wartestand – zwischen Anspruch und Realität, zwischen Tradition und Moderne. In einer Zeit, in der andere Klubs, welche zuvor in der Wahrnehmung noch hinter der Borussia standen, konsequent an neuen Strategien und neuen innovativen Wegen arbeiteten, blieb Gladbach zu oft im Reagieren gefangen.

Dass Virkus dabei immer loyal, fleißig und bemüht war, steht außer Frage. Aber Loyalität ersetzt keine sportliche Führung. Borussia Mönchengladbach braucht in der aktuellen Lage mehr als Verwaltung – es braucht Gestaltung, Mut, strategische Klarheit.

Als Nachfolger wurde mit Nils-Ole Book  zuletzt immer häufiger ein Name gehandelt, ein neuer sportlich Verantwortlicher, der von extern kommen würde – und genau diesen frischen Impuls verkörpern soll. Book gilt als analytisch, modern, gut vernetzt. Er würde Erfahrung in der Kaderplanung mit geringem finanziellen Spielraum mitbringen.

Die Aufgabe eines Nachfolgers wird es sein, Borussia neu zu denken – jenseits der Komfortzone, jenseits der Nostalgie. Den Verein in eine Richtung zu führen, die wieder Perspektive bietet: sportlich, wirtschaftlich, strategisch.

Roland Virkus hat in schwierigen Zeiten Verantwortung übernommen. Dafür gebührt ihm Anerkennung. Doch am Ende blieb er Symbol einer Phase, in der Borussia zu oft bewahren wollte, wo Erneuerung nötig war. Jetzt gilt es, aus dieser Erfahrung zu lernen – und endlich wieder den Mut zu haben, den eigenen Weg neu zu definieren.

Sein Abschied markiert nun die Chance für einen Neustart – sportlich wie strategisch. Borussia Mönchengladbach braucht eine klare Idee, eine moderne sportliche Leitung und den Mut, wieder proaktiv zu handeln. Virkus’ Zeit wird als schwierige Übergangsphase in Erinnerung bleiben – geprägt von Loyalität, aber auch von den Grenzen eines Ansatzes, der zu lange auf Bewahren statt auf Erneuern setzte.

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