Die Bayern feiern ihre erste Meisterschaft nach Leverkusens Run mit Xabi Alonso 23/24 und verabschieden zudem (nur halbwegs gelungen mit der Choreo) Bayern- und Fußballlegende im Land, Thomas Müller. Unsere Borussia hingegen hat endgültig die noch vorhandene (und theoretische) Chance auf den 6. Platz mit der 2:0 Niederlage in München verspielt.
Eine Analyse von @denizguelr.
Das Spiel war insgesamt vom Tempo eher ein langsames. Die Fohlen standen gegen den Ball mal sehr tief, mal etwas höher im mittleren Drittel. Die Gastgeber hingegen hatten eine gemütliche Ballzirkulation und wenig Präsenz im Zentrum, sodass der Flügel schnell fokussiert wurde – insbesondere auf ihrer rechten Angriffsseite mit Olise.
Es ergibt aus München-Sicht total Sinn, denn: Mit Olise befindet sich aktuell in Bayerns Offensive ein absoluter Topspieler in der Chancenkreation, der über Dribblings, Pässe und Abschlüsse gefährlich werden kann. Zudem fließt mit ein, dass sich mit Müller auf der Zehn ein Spieler befand, der weiträumig agiert und oft durch tiefe Laufwege gar nicht die klassische Zehner-Position besetzt. Auch fließt mit ein, dass die Fohlen ein Defensivkonzept wählten, welches eine einfache, aber effektive Wirkung hat: Das 5-4-1 schließt zügig zentrale Räume und ist gleichermaßen gegen direkte Verlagerungen auf ballferne Seiten – durch die doppelte Flügelbesetzung – abgesichert. Dennoch kam es nahezu in jeder Situation dazu, dass Olise sich mit jeder Ballannahme in einem direkten 1vs1-Duell gegen Ullrich befand. Eine Dopplung des französischen Topspielers gelang nie, weil Hack mit Spielbeginn versuchte den Dreieraufbau der Bayern im vorderen Pressingblock zu kontrollieren. Das gelang semi-optimal.
Laimer, der nominell als Rechtsverteidiger aufgestellt war, befand sich – wie üblich – im rechten Halbraum, im Achter-Raum, sodass Hack in Unterzahl gegen Stanisic als rechten Halbverteidiger und eben Laimer im Halbraum stand.
Dadurch setzte sich Hack mit zunehmender Spieldauer ab und interpretierte seine Position klassisch als Flügelspieler – so war das 5-4-1 deutlicher zu erkennen. Auf der anderen Halbseite ließ sich Goretzka, neben Dier und Stanisic, fallen und komplettierte den Dreieraufbau. Die Borussen versuchten dies mit Rocco Reitz aufzufangen, der vertikal aus seiner Mittelfeldposition raus schoss. Auch diese Versuche, um Druck zu erzeugen, gelangen kaum, weil die Elf von Gerardo Seoane eine sehr tiefe Abwehrlinie spielte. Die Folge war, dass sich Gladbach im Versuch des höheren Pressings zu früh vertikal strecken musste, sodass die Kompaktheit verloren ging. Im tatsächlichen Pressing ist das okay und normal, da der Mannbezug eine Rolle im Druckaufbau spielt. Aber: der personelle Block vorne war mit drei Spielern unterbesetzt, um wirklichen Druck aufbauen zu können. Franck Honorat stand nähmlich sehr flach (mannorientiert gegen Guerreiro), manchmal sogar neben Wingback Lainer in der Fünferkette. Dementsprechend fehlten Pressingwinkel und eben personelle Unterstützung.
Nach ca. 25 Minuten befand sich das Spiel dann deutlich öfter und konstanter im letzten Drittel der Gladbacher, rund um Omlin und Co., sodass die 5-4-1 Formation in aller Form gefordert war.
Einzelne Ballgewinne konnte vorher noch Chiarodia erzielen, der ein gutes Timing im rausspringen bewies und mehrmals Müller den Ball abnahm. Borussias Konterversuche waren zunächst vielversprechend. Mit Hack, Kleindienst und Honorat hatte man Athletik und Tempo, zudem setzten Reitz und vor allem Sander sehr gut nach, um über die zweite Welle im Rückraum erreichbar zu sein. Sinnbildlich ist die Szene in der 10. Minute, als Sander Hack in der Tiefe einsetzte, der sich dann seitlich vor Neuer befand. Dessen Hereingabe fand keinen Abnehmer.
Eine ansähliche Leistung bot auch Rocco Reitz. Dieser hatte allein nach 15 Minuten drei abgefangene Bälle zu verzeichnen. Der Grund: Die Bayern spielten aus ihrem typischen 3-3-4 mit Guerreiro und Laimer – im Zentrum Kimmich – die zweite Linie, sodass sie insbesondere über die linke Flügelseite diagonal rein aus dem Mittelfeld ins Zentrum spielten. Dabei konnte Reitz viele Bälle rechtzeitig abfangen, indem er von seiner zunächst höheren Position auf Goretzka abwich, und eben die Laufwege im Zulaufen ging.
Die Bayern konnten dennoch von Borussias Staffelung profitieren, da die Fohlen zwar vertikal im tieferen Block sehr kompakt verteidigten, jedoch horizontal große Abstände hatten. So waren die Schnittstellen innerhalb der Gladbach-Ketten zu groß, sodass die Bayern entweder eine, oder gleich beide Linien über die Flügel überspielen konnten.
So ließ sich Gladbach mit zunehmender Spieldauer immer tiefer rein fallen und spätestens ab der 25. Minute war es der FC Bayern, der sich die Chancen rausspielte. Durch die hohe Feldüberlegenheit konnten die Bayern Olise in höheren Positionen finden und diesen in 1vs1-Duelle bringen. Mehrmals zog der Linksfuß nach innen und hatte zwei gefährliche Pässe in Gladbachs Schnittstellen, die einmal Coman und sonst Müller fanden. Beim dritten Versuch schließt Olise selbst ab, Kane trifft den Ball noch entscheidend – 1:0.
Borussias Konterversuche verloren durch die tiefe Verteidigungshöhe immer mehr an Qualität – Ullrich, Reitz, Hack und Honorat versuchten über lange Solo-Läufe viel Fläche zu überqueren, scheiterten aber durch die nummerische Unterzahl in Bayerns Restverteidigung. Diese hatte im 2-3 Block stets die Positionskontrolle.
Ein zu beobachtendes taktisches Mittel war, dass Hack und Honorat gegen die Manndeckungen des Gegners weite Laufwege zur gegenüberliegenden Seite gingen – um Bayerns Abwehr zu destabiliseren. Und tatsächlich: Hack wurde in der ersten Halbzeit von Elvedi tief eingesetzt, der dann mit links zum Abschluss kommt – und Honorat konnte in beiden Halbzeiten zeigen, dass er mit seinen Läufen Anspielstationen schaffen kann.
In der zweiten Halbzeit nahmen die Bayern kleinere Anpassungen vor. Zum Beispiel besetzte Müller konstant den Zehner-Raum, sodass vom Halbraum aus Diagonalität gegeben war. Diese war hilfreich, um in der Spielfortsetzung Verlagerungen zu schaffen, die Müller im Steil-Klatsch weiter fortführte. Gleichzeitig bewegten sich Olise und Laimer auf der rechten Seite harmonischer im Pärchen; das Timing für überlaufende und hinterlaufende Bewegungen von Laimer halfen Olise, der gezielter in Innenbereiche mit Ball eindringen konnte.
Zudem zog Müller mit seinen Läufen im richtigen Timing aus dem Zentrum seitlich raus, um Rocco Reitz raus zu ziehen, der damit zentrale Zonen öffnete – dieser besetzte Kane dynamisch, oder später auch Flügelspieler Sane, der Bewegungen in Innenbereiche dafür zu Nutzen wusste.
Gladbach überlebte paar Phasen und schaffte selbst mit den Einwechslungen von Stöger und Cvancara Chaos und Physis. Stöger schaffte dynamische Positionen und Anspiele in weite Bereiche, Cvancara konnte körperliche Vorteile gegenüber Guerreiro nutzen und zudem seine Schnelligkeit aus dem Halbraum heraus für tiefe Laufwege nutzen. Das 5-4-1 eignet sich für Konterspiele gut, denn: Aus einem 5-4-1 kann zügig ein 5-2-3 werden, in denen die äußeren Flügelspieler vom Flügel kommend in Halbräume diagonal-tief einlaufen können. Durch diese Bewegungen können die Flügelstürmer entgegensetzt der Körperöffnung des Innenverteidigers einlaufen und somit den Beweungsvorsprung für sich nutzen.
Glück und ein wenig Unvermögen, sowie Neuers solide Paraden verhinderten Gladbachs Ausgleich.
Zum Schluss positiv zu erwähnende Spieler:
– Fabio Chiarodia. Der Innenverteidiger zeigte sich sehr spritzig im raus verteidigen aus der Kette und bewies, dass er die athletischen und langsam auch den physischen Bedingungen in der Bundesliga gerecht wird. Zudem ist seine Passtechnik auf hohem Niveau. Dieses Werkzeug muss man in kommender Saison deutlich öfter einbinden.
– Philipp Sander. Der Mittelfeldallrounder bewies mal wieder, wie wichtig er für Gladbachs Ballbesitz ist. Er stabiliserte die zweite Linie, sodass in Phasen – insbesondere in HZ1 – der direkte, lange Ball nicht nötig war. Zwar spielte Omlin deutlich zu oft überhastet den langen Ball – Sander konnte für Chiarodia, Elvedi und Weigl jedoch Anspielstationen schaffen. Außerdem überzeugte er mit seiner Kondition und Nachsetzbewegungen im Konterspiel.
– Rocco Reitz. Endlich wieder ein Spiel nach dem Geschmack des Mittelfeldmotors. Der Achter konnte wieder seine Athletik unter Beweis stellen und fing viele Bälle frühzeitig ab. Setzte zudem Akzente im Ballbesitzspiel in HZ2 und schaffte somit Entlastung. Eine höhere Position tut ihm gut. Das 4-2-3-1 ist nicht optimal für Rocco.
Eine Analyse von @denizguelr.


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