Borussia Barcelona is back?! – Taktikanalyse FCH vs BMG 0:3

Die Borussia aus Mönchengladbach gewinnt ihr drittes Auswärtsspiel in Folge und kann die Heimniederlage zuvor mit einem 0:3 wieder gut machen!
Dabei waren die Fohlen so dominant in ihrem Ballbesitzspiel, dass die Gastgeber mit einem personellen Wechsel bereits in der ersten Halbzeit ihre Staffelung änderten.
Wie rund Borussia Mönchengladbach in allen Spielphasen mittlerweile spielt, wird auch beim ersten und dritten Treffer deutlich, als sich die Fohlen scharf in den Duellen um den zweiten Ball präsentieren, und aus den Ballgewinnen Konter fuhren.
Mehr dazu hier!

Die Aufstellungen: Beide Teams mit zwei Änderungen

Aufstellungen beider Teams: 5-2-3 (5-4-1) vs Gladbachs 4-2-3-1

Die Gastgeber kamen mit einem positiven Ergebnis aus Leipzig (2:2) zurück in die Heimat und behielten dementsprechend die 5-4-1 Formation bei. Zwei personelle Wechsel gab es hingegen: Während Schöppner auf der Sechs gelbgesperrt fehlte und durch Wanner ersetzt wurde, musste zudem Pieringer wieder auf die Bank. Der Stürmer kam gegen Leipzig rotationsbedingt für Zivzivadze rein, der unter der Woche gegen Kopenhagen ran durfte.
Bei Borussia Mönchengladbach feierte ein 18-Jähriger sein Debüt im Tor: Tiago Pereira Cardoso. Der verletzte Nicolas und rotgesperrte Omlin ermöglichten unter der Woche einen Zweikampf zwischen Routinier Sippel und dem Jungspund Cardoso. Trainer Seoane entschied sich für letzteren. Dem jungen Keeper merkte man in der Anfangsviertelstunde seine Nervosität an, als er die ersten langen Flugbälle ins Nichts oder Seitenaus spielte. Doch Cardoso nahm mit zunehmender Spieldauer eine Stabilität an: Er war auf der Linie zur Stelle bei diversen Fernschüssen und lenkte in der zweiten Halbzeit einen starken Freistoß von Scienza an die Latte. Auch mit Ball am Fuß spielte er zunehmend gute und lange Bälle (34.´ und 35.´). Dass er das Spiel „zu Null“ beendet ist dabei eine tolle Randerscheinung. Insgesamt also ein sehr gelungenes Debüt!
Ansonsten war überraschend festzustellen, dass Stöger auf die Bank musste und dafür Plea in die Startelf einrückte. Plea machte ein gutes Spiel und zeigte sich, wie immer, durch seine gute Positionsfindung zwischen den Linien und war bemüht mit vielen Tiefenläufen Heidenheims Abwehrkette zu bedrohen.

Heidenheim beginnt mit Härte; Gladbach hält dagegen

Die ersten zehn Minuten verliefen, wie so oft bei den Fohlen in Auswärtsspielen, mit einem Abnutzungskampf in den direkten Duellen. So hatte Heidenheim in ihrem Ballbesitz, den sie zu Beginn noch hatten, eine 3-2-5 Struktur aufgebaut. Dafür schoben die Flügelverteidiger Föhrenbach und Traore hoch in die letzte Linie, während Wanner und Kerber die Doppel-Sechs vor Mainka, Gimber und Siersleben bildeten. Ngoumou fiel mit Föhrenbach in die Abwehrkette, sodass Gladbach den Gegner in ihrer Staffelung spiegelte: 5-2-3 Defensivformation gegen Heidenheims 3-2-5 Offensivformation. Plea presste dann aus seiner nominellen Position im Zentrum seitlich raus auf den linken Halbverteidiger Siersleben.
Heidenheim versuchte über einfache Tiefenspiele Gladbach zu knacken:
Mal kam der linke Halbzehner Heidenheims dem ballführenden Innenverteidiger entgegen, damit Föhrenbach tief dahinter laufen konnte – mal lief der Stürmer Zivzivadze dahinter ein. Gladbach kontrollierte die Angriffe gut.
Scally übergab seinen Gegenspieler im Halbraum rechtzeitig an Ngoumou, sodass der Amerikaner den Tiefenlauf von Föhrenbach aufnehmen konnte. Außerdem zeigte sich auf der anderen Seite Itakura mal wieder sehr konzentiert, wenn Elvedi mit dem Halbzehner vorwärts durchlief, und setze sich rechtzeitig ab, falls Stürmer Zivzivadze tief einlief.

Pressingstruktur Bor. Mönchengladbach gegen Heidenheims 3-2-5
Scally übergibt im Halbraum und nimmt Tiefenlauf mit Föhrenbach auf

Heidenheims Pressingprobleme

Frank Schmidts Mannschaft versuchte gegen den Ball aus dem 5-4-1 und einer zonalen Verteidigungstaktik im Mittelfeld Pressingauslöser frühzeitig zu provozieren.
Das klappte allerdings aus mehreren Gründen nicht: Wenn Gladbach über ihre flachen Außenverteidiger spielte, presste der linke Flügelverteidiger Föhrenbach vertikal raus und Siersleben als linker IV schob seitlich zu Ngoumou raus – so wollte man Mönchengladbachs doppelte Flügelbesetzung kontrollieren. Allerdings konterte Gladbach dies mit diversen Tiefenläufen im Halbraum aus der letzten Linie heraus, die Plea oft machte, und somit Sechser Kerber mit sich zog. Dadurch verlor Heidenheim an Präsenz im vorderen Pressingblock gegen Sander und Weigl. Flügelspieler Honsak konnte auf der linken Seite nur maximal zustellen, dann aber nie Itakura pressen. So hatte Gladbach einfache Zirkulationsmöglichkeiten. Wenn hingegen Wanner oder Kerber aus der Doppel-Sechs mannorientiert gegen Sander oder Weigl verteidigten, war meist einer der beiden anderen im Zentrum frei. Sander kippte meist seitlich in den 3er-Aufbau ab, sodass Wanner/Kerber rauspressten. Während Zivzivadze dann den zentralen Innenverteidiger Itakura zustellte, war der zentrale Sechser Weigl im Zentrum frei. Plea band mit seiner Position den zweiten Sechser Heidenheims.

Borussia zeigte sich dabei auch sehr gut darin, fluide in den Positionsaufteilungen- und besetzungen zu sein. Borussia war in den verschiedensten Staffelungen zu erkennen:
3-2 Aufbau: mal mit Scally in der 3er-Kette, mal mit Sander seitlich in der Kette.
3-1 Aufbau: Sander fällt seitlich; Scally schiebt hoch oder rückt in den Halbraum ein.
4-2 Aufbau: beide Außenverteidiger bleiben flach.
3-0 Aufbau: Weigl fällt zwischen die IV; Sander steht in zweiter Linie auf dem rechten Flügel.
Die Rotationen und verschiedenen Staffelungen ermöglichten Gladbach immer eine Überzahl in erster Linie. Die Zirkulation aufrecht erhalten zu können, war dem Team von Gerardo Seoane wichtig. So kamen auch Hack und Plea frühzeitig entgegen, sodass teilweise sieben Feldspieler aktiv im Aufbauspiel integriert waren. Durch die hohe personelle Anzahl konnte und wollte Heidenheim nicht Eins-gegen-Eins durchdecken – zu groß war der Respekt vor dem Tempo in der letzten Linie.

Borussias Aufbauspiel in der Videoanalyse: Borussia Barcelona light

Video 1; Videoquelle: Wyscout

Die Fohlen überzeugten damit unter dem Pressingdruck des Gegners Lösungen zu finden: Dabei spielten die Fohlen zügig auf die flachen Außenverteidiger, meist über die linke Seite von Ullrich, um dann diagonal rein in Halbräume zu spielen, die von Hack oder Plea besetzt wurden. Auffällig hierbei war, wie Kleindienst mit auf die Ballseite auf den Flügel durchschob und somit den rechten Halbverteidiger Mainka band. So standen Gimber und Siersleben in der restlichen Kette ohne Gegenspieler und hatten viel zu weite Wege auf die ballferne Seite zum durchdecken, sodass Hack oder Plea einen freien Fuß im Halbraum hatten (Video 1).

Video 2; Videoquelle: Wyscout

Bemerkenswert war zudem, wie Gladbach recht früh durch ihre Staffelung Heidenheims Flügelverteidiger gleichzeitig rausziehen konnte, sodass die Fohlen aus dem Zentrum heraus – beispielsweise durch ein Dribbling über die ganze Hälfte von Itakura – nur noch drei Innenverteidiger + einen Sechser vor sich fanden. Über die Flügel nutzte man die Überzahl aus, die durch Plea in der Spielfortsetzung verbunden wurde (Video 2).

Video 3; Videoquelle: Wyscout

Insbesondere Philipp Sander und Julian Weigl hatten ein gutes Gespür für Positionsfindungen und -wechsel, sodass Heidenheim im Pressing in Unterzahl agierten. Über die Ballzirkulation und den Rotationen bespielte Gladbach zunehmend die rechte Angriffsseite, um Ngoumous Tempo hinter die Abwehrkette Heidenheims einzusetzen. Entweder direkt über Tiefenpässe von Sander, oder über die Spielfortsetung von Plea in dritter Linie (Video 3).

Borussias zweite Bälle: Nicht nur schön spielen

Video 4; Videoquelle: Wyscout

Die Borussia zeigte an jenem Tag auch ihre Bereitschaft aus dem Positionsspiel heraus ins Gegenpressing zu gehen, wenn man unter Druck den langen Ball auf die Flügel spielte. Aus beiden Szenen entstand ein Ballgewinn, der jeweils das erste und letzte reguläre Tor der Fohlen einleiten konnte. Die Elf von Seoane ging in direkte Duelle und hat vor allem mit Kleindienst einen, der mit seinen langen Beinen überall zwischen blockt – der Abpraller landete bei Weigl, der die Situation sehr schnell erkannte und einen perfekten Pass in die Tiefe spielte. In der letzten Aktion spielten sich Netz und Hack, nach Pleas Pass, über den Flügel durch in den Halbraum, sodass Hack mit einem Fernschuss für die Entscheidung sorgte (Video 4).

Fazit: Tolle erste Halbzeit – komplizierte Anfangsviertelstunde in der zweiten

Die zweite Halbzeit begann kompliziert: Schmidt wechselte in der 32. Minute bereits aus. Die Folgen dessen spürte man jedoch erst nach dem Seitenwechsel, als Heidenheim früh und in Eins-gegen-Eins-Zuteilungen auf dem ganzen Platz presste. Die Folge war: Heidenheim schnürte sich in Gladbachs Spielhälfte ein. Beide Außenverteidiger, die nun in einem 4-4-2 verteidigten, schoben hoch – zusammen mit den beiden Flügelspielern Scienza und Beck. Paul Wanner agierte als offensiver Achter, sodass die Restverteidigung aus einer 2+1 Staffelung (zwei Innenverteidiger + ein Sechser) entstand. Dies bietet Potenziale im Konterspiel, insbesondere über den ballfernen Flügel (Hack hatte ein paar interessante Läufe), jedoch kam Gladbach nicht in die Situation den Konter durchzuspielen, oder zumindest den Rhythmus des Gegners zu brechen.

Bildquelle: sofascore.com

Was jedoch weiterhin festzuhalten bleibt: Die Fohlen brechen nicht ein – lediglich eine Großchance ließ man laut sofascore.com in der zweiten Halbzeit zu. 13 gegnerische Schüsse sind viel – erachtet man aber den dabei kreierten xG-Wert (1.32), stellt man fest, dass die Schussqualitäten nicht hoch waren: Im Schnitt liegt der xG Wert pro Schuss bei 0,10. Zum Vergleich: Gladbach lag in der zweiten Halbzeit bei einem Wert von 0,17 – fast doppelt so hoch.
Also alles halb so schlimm, oder doch ein erkennbarer Trend, der uns in den nächsten Wochen weiterhin verfolgen wird? Wir werden sehen.

Eine Analyse von Deniz.

Eine Antwort zu „Borussia Barcelona is back?! – Taktikanalyse FCH vs BMG 0:3“

  1. Avatar von Saisonanalyse 24/25: Welche Erkenntnisse bleiben sportlich hängen? – BorussiaXplained

    […] Zwar nicht Honorat, aber die gleiche defensive Aufgabe hatte auch Ngoumou beim Auswärtsspiel gegen Heidenheim (0:3) – Analyse hier. […]

    Like

Hinterlasse einen Kommentar