Gladbach gewinnt ihr 8. Saisonspiel und hat zum jetzigen Zeitpunkt bereits mehr Saisonsiege als in der vergangenen Spielzeit 23/24 erreicht. Die Fohlen bleiben gegen die Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel makellos und können dahingehend ihren siebten Sieg im siebten Spiel feiern.
Zwar brannte die Elf von Seoane kein offensives Feuerwerk ab, jedoch waren speziell in der ersten Halbzeit paar taktische Neuheiten im Ballbesitz zu beobachten. Dazu später mehr!
Aufstellungen: 4-2-3-1 vs. 5-3-2
Bei Gladbach fehlten Ko Itakura und Alassane Plea verletzungsbedingt. Für die beiden und Stevie Lainer rückten Marvin Friedrich, Kevin Stöger und Joe Scally in die Startelf.
So spielte Gladbach in ihrer üblichen 4-2-3-1 Grundordnung.
Heckings Bochum versuchte im 5-3-2 das Defensivspiel kompakt zu halten und musste Matus Bero durch Kapitän Losilla und Ivan Ordets durch Jakov Medic ersetzen. Gleichzeitig rotierte Stürmer Hofmann für Broschinski rein.

Gladbachs Beginn: Überzahl am Flügel
Die Fohlen konnten mit Spielbeginn erstmal Spielkontrolle ausüben. Bochum presste zwar die ersten drei Minuten wilder an, dies beruhigte sich jedoch zunächst bis Mitte der ersten Halbzeit.
Bochum presste aus dem 5-3-2 mannorientiert mit den beiden Achtern, de Wit und Sissoko, gegen Gladbachs Doppel-Sechs, Reitz und Weigl.
So versuchten die Bochumer mögliche Zuspiele ins Zentrum zu verhindern, gleichzeitig mit ihren beiden Stürmern, Hofmann und Boadu, Gladbachs Innenverteidiger anpressen.
Die Fohlen reagierten darauf mit dem Abkippen von Julian Weigl, zwischen Friedrich und Elvedi. So entstand eine 3vs2-Überzahl in erster Aufbaulinie gegen Hofmann und Boadu. Sissoko traute sich selten auf Weigl durchzuschieben, da das Zentrum im 5-3-2 schnell verloren werden kann.
Durch diese Überzahl in erster Linie war die Ballzirkulation, also das Ball halten, gewährleistet.
Durch die flache Staffelung der beiden Innenverteidiger, Friedrich und Elvedi, konnten diese sich vom Pressing der Bochumer Stürmer schützen und den Ball rechtzeitig auf die Flügel spielen.

Bochums Pressingproblem: Cvancara (und Stöger) binden Wittek im Halbraum
Bochum gelang es in den ersten 20 Minuten selten Balldruck zu erzeugen. Dies hatte mit Gladbachs Positionierungen in letzter Linie zu tun.
Cvancara und Stöger hielten sich meist im Halbraum auf und konnten durch diese Überladung Wittek, neben Bernardo, binden. Losilla agierte zunächst raumorientiert im Zentrum, um die Abwehrkette zu schützen. Sein Fehlen im Halbraum zwang Witteks Position in der Kette, sodass dieser nur sehr spät seine Pressingwege auf Scally starten konnte.

Gladbach fing an vermehrt über ihre rechte Angriffsseite aufzubauen und die Spielfortzeung über den Flügel umzusetzen.
Seoanes Elf war sehr bemüht sich gegenläufig (also entgegengesetzt zur Laufrichtung der Bochumer Verteidiger) zu bewegen, um die Manndeckungen der Gegenspieler aufzubrechen. Cvancara war in den ersten Minuten paar Mal der Eisbrecher dafür, indem er freie Felder im Halbraum schaffte, die Reitz bspw. in der 8. Spielminute mit einem vertikalen Tiefenlauf attackierte.

Ballnahe Überladungen: BMG agiert gegen ihr Naturell
Taktische Neuheiten waren vor allem in der ersten Halbzeit im Ballbesitzspiel der Fohlen zu beobachten. Während man unter Seoane sonst symmetrisch und in allen Zonen gleichermaßen positioniert ist, brach man diese Zonenaufteilung auf und überlud mit zunehmender Spieldauer ballnahe Zonen am Flügel.
Durch die Bewegungen von Kleindienst und vor allem Stöger & Cvancara in letzter Linie sind regelmäßig Überladungen am Flügel gelungen. Ein effektives Mittel gegen Manndeckungen des Gegners, um ballfern Räume zu öffnen. BMG versuchte die Überladungen zu nutzen, indem man sich gegenläufig und teils diagonal tief bewegte. So startete Ullrich einen diagaonalen Tiefenlauf in den Halbraum, als Kleindienst breit zog und Cvancara durch sein Entgegenkommen Bernardo raus riss und Tiefe öffnete.

So war es Cvancara selbst, als dieser, in der 26. Minute über den Chipball von Reitz auf Stöger – und dessen Ablage – davon profitierte.
Gladbach versuchte so Bochum zu brechen und selbst mit athletischer Stärke von Spielern, wie Kleindienst und Cvancara in letzter Linie, zu profitieren.


Zugegeben:
Borussia konnte wenig Kapital aus diesen Szenen schöpfen. Entweder waren die finalen Passspiele zu ungenau (Elvedis zu langer Pass in die Tiefe zu Ullrich 6.´/ Reitz´ ungenaue Flanke nach Durchbruch im Halbraum 8.´), oder es fehlte technische Klasse, um im One-Touch-Fußball klarzukommen (Cvancara 26.´ )
Die Fohlen gingen lediglich mit einem xG-Wert von 0.33 (Quelle: SofaScore) und einem Führungstreffer, nach einstudierter Eckballvariante, durch Rocco Reitz in die Halbzeit.
Dennoch waren die paar taktischen Neuheiten interessant zu beobachten und passten zu den Spielertypen, wie Stöger und Cvancara.
Kevin Stöger agiert wie ein Magnet zum Ball und hält sich konstant da auf, wo der Ball sich gerade befindet. Cvancara verhält sich stets torientiert, egal, ob auf dem Flügel oder als zweite Spitze; gleichzeitig möchte er am Spiel teilnehmen, sodass Überladungen mit ihm möglich sind, ohne seine Tiefe in den Laufwegen zu verlieren.
Mal sehen, ob wir diese taktische Varianten weiter im Gladbacher Ballbesitzspiel beobachten dürfen.
Eine Analyse von Deniz.


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