Wieso die Bayern-Niederlage Mut für die kommenden Wochen gibt – Taktikanalyse

Die Fohlen verlieren ihr Auswärtsspiel bei Bayern München mit 4:1. Hinzu kommt, dass Kapitän Rocco Reitz in der 55. Spielminute glatt Rot sieht und nun mindestens für das kommende Heimspiel gegen St. Pauli fehlen wird. Dennoch gab die Leistung in München, insbesondere in Gleichzahl, Mut für die kommenden – und mehr als wichtigen – Wochen. Wieso? Das erfahrt ihr bei BorussiaXplained.

Eine Analyse von Deniz Güler.

Die Fohlen starteten mit zwei Änderungen im Vergleich zum Heimsieg gegen Union Berlin: Für den 17-jährigen Wael Mohya startete Hugo Bolin. Eugen Polanski begründete diesen Wechsel im Vorfeld mit der größeren Erfahrung des Schweden und spielte mit dem Gedanken an einen möglichen Spielverlauf, der eine Einwechslung Mohyas begünstigen könnte, „wenn das Spiel hintenraus offener wird“. Zu diesem Spielverlauf kam es allerdings nicht.

Für den gelbgesperrten Engelhardt rückte etwas überraschend Kevin Stöger in die Startelf, der einen größeren Impact auf das Gladbach-Spiel haben sollte als Bolin. Von dem Österreicher erwartete die Borussia Game-Management und Verantwortung im Ballbesitz. Dies ging vor allem zu Beginn der Partie auf. Am Setup hat sich ansonsten nichts verändert. So bildeten die Fohlen gegen den Ball das übliche 5-4-1.

Die Bayern hingegen rotierten kräftig durch – sechs Änderungen im Vergleich zum vorherigen Topspiel in Dortmund: Kanes Ausfall fing man mit einem Eins-zu-eins-Wechsel auf, indem Jackson nach langer Zeit wieder beginnen durfte. Karl und Musiala spielten für Olise und Gnabry in der Startelf. Zudem ersetzte Goretzka den Sechser Pavlović, sodass Kimmich im frühen Aufbauspiel stärker eingebunden war als sonst. Bischof ersetzte Stanišić, sodass Laimer im Vergleich zum vorherigen Spiel die Seite wechselte. Außerdem bekam Tah eine Pause und wurde durch Kim ersetzt.

Frühes Pressing – Probleme im Halbraum für Bolin

Gladbach versuchte von Beginn an, ein Zeichen zu setzen, und begann direkt nach dem Anpfiff mit frühem Pressing, um der Gefahr zu entgehen, tief in die eigene Hälfte gedrängt zu werden. Bayerns übliche 3-3-4-Staffelung ging Borussia mannorientiert an. Abwehr und Mittelfeld deckten die Bayern-Spieler Mann gegen Mann, wobei Diks und Elvedi in Überzahl eng den Stürmer Jackson bewachten.

Sander schob aus der Abwehrlinie heraus, um den abkippenden Musiala zu verfolgen. Reitz und Stöger versuchten, Kimmich und Goretzka mannzudecken. Lediglich die erste Pressinglinie agierte raumorientiert: Tabakovic versuchte mit seinem Positionsspiel und dem daraus resultierenden Deckungsschatten, das Zentrum zu schließen. Während Honorat vor allem die Aufgabe hatte, mit Bischof zurückzufallen, agierte Bolin auf der anderen Seite ebenfalls raumorientiert, um Zuspiele in die Halbräume zu verhindern.

Durch das abkippende Verhalten von Goretzka im frühen Aufbauspiel rückte auch Reitz häufiger in die erste Pressinglinie auf. Der Kapitän positionierte sich dabei identisch zu Bolin auf der halbrechten Defensivseite.

Borussia versuchte im hohen Pressing den Auslöser zu finden: Die erste Pressinglinie schloss zentrale Zonen, um die Progression des Gegners zu verhindern und gleichzeitig Horizontalität zu provozieren. Dazu versuchte man, den Gegner im Aufbauspiel auf Upamecano zu lenken.

Bolin sollte antizipieren, wenn Kim den Ball horizontal spielt, um Upamecano möglichst früh zu pressen und den Pressingwinkel im Bogen so anzusetzen, dass eine weitere Verlagerung auf den höher positionierten Laimer verhindert wird. Positionell ergab sich für Hugo Bolin jedoch eine Unterzahlsituation. Der Flügelzehner befand sich in einem 2-gegen-1 gegen Innenverteidiger Upamecano und Rechtsverteidiger Laimer.

Der Österreicher positionierte sich diagonal zum Innenverteidiger eine Ebene höher, um den Passwinkel so zu öffnen, dass Bolin überspielt werden konnte. Insbesondere Upamecano zeigte dabei seine Spielintelligenz: Mit zunächst geschlossener Körperhaltung lockte er Bolin an, der ihn daraufhin auf kürzestem Weg vertikal anlief. Noch bevor der Franzose den Ball erhielt, öffnete er seinen Körper zur ballfernen Seite, sodass Laimer ohne Bolins Deckungsschatten anspielbar war.

Dadurch musste Castrop von der Mittellinie – aus seiner Mannorientierung gegen Karl – weite Pressingwege auf Laimer gehen, bei denen es nahezu unmöglich war, ausreichend Intensität und damit Druck aufzubauen.

Zwar kam man verspätet in die Zuteilung (ballnah 1-gegen-1; ballfern eingeschoben, um in Anschlussräumen Zugriff und Präsenz zu erzeugen), jedoch hatte Stöger das Problem, dass ihm im Rückwärtspressing bei Bayerns Zuspielen in die Halbräume auf Musiala Sechser Kimmich im Rücken vertikal davonlief.

So konnten die Gastgeber über Musiala ins Ablagenspiel kommen und im Zentrum den Gegner überspielen. Ein weiteres Problem bestand darin, dass Innenverteidiger Sander seinen Gegenspieler Musiala kaum unter Druck setzen konnte. Zwar verfolgte er ihn nahezu in Manndeckung über den gesamten Platz, jedoch selten mit der nötigen Intensität und Aggressivität, sodass der Zehner unter „Druck“ zwei oder drei Kontakte nehmen durfte, um anschließend weiterzuspielen.

Kimmichs Abkippen im höheren Aufbau

Auf Kimmichs Abkippen im rechten Halbraum im höheren Aufbau (3-3-4) versuchten die Fohlen aus dem 5-4-1-Block heraus mit dem Achter Stöger auf Kimmich herauszupressen. Bayerns Außenverteidiger Laimer und Bischof wurden im tieferen Block von den beiden Flügelspielern Bolin und Honorat mannorientiert begleitet. Währenddessen verteidigte Tabakovic mannorientiert gegen den zentralen Sechser Goretzka.

Es galt dabei das gleiche Prinzip wie im höheren Pressing: Borussia versuchte, Progression aus dem Zentrum zu verhindern und horizontale Pässe innerhalb der Kette zu pressen. Stöger schob dabei vertikal aus seiner Kette heraus und schloss mit seinem Deckungsschatten den Passweg zu Stürmer Jackson. Intensität und echter Druck konnten dabei zwar kaum erzeugt werden, allerdings waren die Bayern auch nicht bereit, bewusst in diesen Druck hineinzuspielen.

Zwar war der diagonale Passwinkel von Kimmich zu Musiala offen, allerdings wurde dieser von Sander aggressiver bewacht als im höheren Pressing. Sander scheint sich in engeren Räumen wohler zu fühlen, sodass der 28-Jährige dort auch aggressiver verteidigt.

Laimer agierte positionsstatischer als Bischof auf der anderen Seite. Dieser zog regelmäßig in Rotationen mit dem Flügelspieler in den Halbraum, sodass Honorat und Scally Zuordnungsprobleme bekamen. Die Breite wurde bei Bischofs Einrücken in die Innenräume meist gleichzeitig von Scally und Honorat abgedeckt.

So konnten die Fohlen zwar bei diagonalen Pässen in den Halbraum unmittelbare Nähe und Präsenz herstellen, hatten jedoch bei Rückverlagerungen der Bayern innerhalb der ersten Aufbaulinie – etwa von Kim auf Kimmich und wieder zurück – Probleme.

Reitz´ ballorientiertes Einschieben, wenn Kimmich den Ball erhielt, war darauf bedacht, Zugriff in zentraleren Zonen zu bekommen, sollte Bayern doch versuchen in diesen Räumen durchspielen zu wollen. Dies hatte jedoch den Nachteil, dass bei den Rückverlagerungen auf Kim kein echter Druck aufgrund der Pressingdistanz erzeugt werden konnte.

Des Weiteren hatten Scally und Honorat keine Orientierungen, für die Situationen rund um sich herum. Beide hielten ihre Position in der Höhe und hatten weder Zugriff im Halbraum, noch in der Breite. Durch den fehlenden Druck von Reitz auf den ballführenden Kim, konnten die Bayern durch einfache Tiefe unsere letzte Linie überspielen. Ein möglicher Lösungsvorschlag: Sander schiebt bei Verlagerungen breit, sodass Scally früher horizontal auf Diaz/Karl durchschieben kann, um Honorat einen vertikalen Pressingweg auf dem Sprung zu ermöglichen. Dabei schloss Reitz die Diagonale mit seinem Deckungsschatten, sodass der vertikale Pressingansatz von Honorat möglich gewesen wäre. Vermutlich wollten die Fohlen hierbei die Pressingschwäche des Franzosen umgehen und die Intensität von Reitz nutzen, um das Anlaufen qualitativ zu erhöhen.

Umschalt- und Konterphasen: Borussia zu Beginn auf Ballsicherung hinaus

Durch die Gladbacher Pressingprobleme konnte die nötige Höhe nicht gehalten werden, um für interessante Ballgewinne für Konterspiele in Frage zu kommen. Zwar gelang es den Fohlen im eignenen Drittel regelmäßig für Ballgewinne – in Kombination der Raumverknappung, wenn Zuspiele in Bayerns letzte Linie gespielt wurden, bei Rückwärtspressingaktionen von Stöger oder Reitz, und dem unmittelbaren Druck von Innenverteidiger Sander, der rausschob, um Ballgewinne zu erzeugen. Allerdings war man weit vom gegnerischen Tor entfernt. Bolin und Honorat sollten hinter Bayerns Außenverteidigern Räume suchen für Tiefenläufe – gleichzeitig versuchten die Fohlen über Tabakovic einen Zielspieler in der letzten-, und über Reitz einen in der Zwischenebene zu positonieren – um die beiden Flügelspieler einzusetzen. So fokussierten sich die Gäste zu Beginn der Partie auf die Ballsicherung, indem bspw. Sander und Stöger bei Ballgewinn mit Ball abkippten.

Die Ballbesitzphasen gelangen in der ersten Phase des Spiels sehr gut. Stöger verstand es sehr gut, für seine Innenverteidiger anspielbar zu sein – um so für Zuordnungsprobleme für Goretzka und Kimmich zu schaffen. Der Österreicher war äußerst mobil unterwegs und war in seiner Positionierung nicht zu packen. So gelang es Stöger einige Male die ballferne Seite über Diks und dann auf Elvedi und Sander zu spielen. Gleichzeitig fand Scally eine hohe Positionierung im Halbraum, die Linksverteidiger Bischof dort band. Durch die Breite und Höhe von Honorat an der Mittellinie – und das Abkippen von Stürmer Tabakovic im Zentrum – schuf man einen Überzahlspieler in der Breite und öffnete gleichzeitig die Tiefe in der kompletten gegnerischen Hälfte. Tabakovic hatte in der Spielfortsetzung eine bedeutende Rolle: Als Verbindungsspieler auf der Seite, kippte er weiter ab – um so von seinem Bewacher Upamecano zu entkommen. Denn dieser war der „Libero“ in der sehr breitgezogenen Staffelung der Bayern, also der Einzige, der das Zentrum im hohen Bayern-Pressing als Absicherung besetzte. So versuchten die Fohlen aus der Dynamik heraus, wie bereits im vergangenen Heimspiel gegen Union Berlin, die Diagonalität zwischen Honorat und Scally zu nutzen – der Rechtsverteidiger vorderluf den Flügelspieler in diesen Sequenzen einige Male. Doch entweder war Honorat in seinem Passspiel zu unsauber, oder nahm die Situation um die Möglichkeit eines Tiefenspiels auf Scally gar nicht wahr.

Borussias Konter- und Umschaltsituationen wurden zunehmend schwieriger, weil die Ballsicherung nicht mehr funktionierte. Zu groß wurde der Druck, zu weit die Distanz zum gegnerischen Tor. Der Druck zwang Borussia dazu, mit vielen Spielern die immer größer werdenden Löcher zu stopfen, sodass im niedrigen Block kein Restangriff für mögliche Konterspiele verfügbar waren. Gewann die Borussia jedoch vereinzelt mal den Ball im mittleren Drittel, so war es dann meist Tabakovic, der als Zielspieler nach Ballgewinn den Pass in den Fuß bekam. Als Zwischenstation, um Honorat und Bolin einzusetzen, tat sich der Stürmer schwer. Der Bosnier isolierte sich häufig selbst auf der Ballseite, durch eine geschlossene Körperhaltung. Ballferne Tiefenläufe konnten somit nicht belohnt werden.

Bayern erhöht den Druck

Die Elf von Vincent Kompany versuchten das immer tiefer werdende 5-4-1 und die Pressingmechanismen zu umgehen und in die Breite zu spielen. Dafür positionieren sich die Außenverteidiger im Halbraum, um Gladbachs Bolin und auf der rechten Seite Honorat zu binden, um somit die Passwege direkt zum Flügelspieler zu öffnen. So kreierten die Bayern isolierte 1vs1-Duelle. Durch Diaz auf der linken, und Karl auf der rechten Flügelseite, konnten beide Spieler mit ihrem starken Fuß innere Winkel finden. Die Spielfortsetzung war darauf bedacht, dass Bayerns letzte Linie die Tiefe innerhalb der Schnittstellen der Gladbacher Abwehr zu belaufen – vor allem Musiala und Jackson, die sich gegebenenfalls gegenläufig bewegten, um Abwehrspieler rauszuziehen. Die Dribblings der Flügelspieler in innere Zonen hatten die Folge, dass Gladbachs ballnahe Achter Stöger oder Reitz zur Dopplung auf die Flügel rückwärts pressen mussten, sodass Bayern vom Flügel die Rückpassoption auf den eigentlichen pressenden Zielspieler Kimmich wieder zur Verfügung hatte. So konnten die Gastgeber den Ball sichern und anschließend zirkulieren. Reitz war ballfern als Achter auf Raumkontrolle hinaus, sodass die Isolierung auf Innenverteidiger Kim in der Verlagerung nicht zu pressen war.

Die Borussia versuchte die Flügelspieler Bayerns mit äußerst aggressiv-führenden Zweikämpfen daran zu hindern, in den Block reindribbeln zu können. So hatten Scally und vor allem Castrop viele Zweikämpfe (4 und 8) zu führen. Castrop gewann immerhin starke 62,5% dieser Zweikämpfe. Karl und Laimer gingen in dieser Spielphase immer öfter in Spielen und Gehen-Muster über, sodass Laimer den jungen Flügelspieler vorderlief, Bolin in tiefe Zweikämpfe verwickelte und Diks früh auf die Flügel rausschieben musste. Vereinzelt war Castrop unaufmerksam in der Orientierung, ähnlich wie zu Beginn der Partie bei Scally und Honorat auf der rechten Seite, der es verpasste Karls Tiefenlaufwege aufzunehmen. Die daraus resultierenden Flanken verteidigte die Restkette solide. Scally nahm aufmerksam die ballfernen, diagonalen Laufwege in die Box von Diaz auf.

Gladbach mit immer wieder befreienden Ballbesitzmomenten

Wie zu Beginn der Partie, gelang es der Borussia auch Mitte der Halbzeit für eine kurze Zeit den Ball zu halten und ihn in einigen Momenten zu bespielen. Das lag unter anderem daran, dass man bei Abstößen von Torwart Nicolas gute Lösungen inne hatte. Egal, ob lang auf Tabakovic, der mal auf Stöger, sonst auf Bolin oder Reitz ablegen konnte – oder Scally von den Flügeln diagonal hinter Bischof Reitz fand, der das weit aufgerissene Zentrum im Anschluss belaufen konnte. Durch den höheren Ballbesitzanteil trauten sich die Fohlen mehr zu. Insbesondere Kevin Diks nahm mehr Verantwortung: Sei es tiefen Läufe im Konterspiel, oder Läufe im Ballbesitz um die gegnerische Struktur aufzubrechen – oder mit Ball am Fuß weit rein zu dribbeln. Auch Stöger hatte in dieser Phase wieder seinen Anteil. Dieser wurde inzwischen von Goretzka manngedeckt, um einfachen Zugriff auf den Österreicher zu gewinnen. Dies gelang semi. Stöger ließ sich dynamisch fallen, um zwischen den Innenverteidigern verlagern zu können. Dabei bewies er Timing und war für Goretzka kaum zu packen. Teilweise begegneten sich Diks und Stöger in der Dynamik zusammen im Sechser-Raum. Beide zeichen eine gewisse Pressingresistenz aus und konnten durch ihre Laufwege diagonal, wie horizontal die Mannorientierung des Gegners aufbrechen und freie Füße generieren. Nur die fehlende Vororientierung der beiden, die mit fehlendem Rhythmus in diesen Zonen zu erklären ist, verhinderte eine qualitativ höhere Aktion in der Spielfortsetzung zu schaffen.

Das Gegentor: Borussias Erschöpfung

Borussia begann dann ab der 25. Minute erste Erschöpfungen zu empfinden. Der Druck wurde größer. Die Bayern konnten Borussia einschnüren, was zur Folge hatte, dass man passiv und tief organsiert war. Stöger und Reitz hatten damit zu tun, Löcher zu stopfen und aus der Konsequenz dessen weite Pressingwege, um wie ursprünglich im Matchplan vorgesehen, Kimmich und Kim im Halbraum zu pressen. Die nötige Aggressivität der Abwehrspieler, vor allem von Sander – wenn Bayern Zuspiele hinter Gladbachs Mittelfeld spielte – fehlte erneut. So konnte Goretzka einige Sekunden nutzen, um Diaz den Laufweg anzudeuten und diesen eben zu bespielen.

Die rote Karte, zweite Halbzeit und Aussicht auf weiteren Saisonverlauf

Die Fohlen präsentierten sich im Anschluss leicht angeschlagen. Vermutlich die schwächste Phase im Spiel begann mit dem ersten Gegentor und endete mit dem zweiten – unmittelbar vor der Halbzeitpause. Der Ballverlust von Bolin ermöglichte Bayern ein Konterspiel, das die Fohlen numerisch nicht mehr ausgeglichen bekamen.

Klammert man diese Phase aus und berücksichtigt, wie sich die Fohlen vor allem im Laufe der zweiten Halbzeit – trotz Unterzahl – behaupteten und teilweise zu Torchancen kamen (Machino zweimal, Mohya mit seinem ersten Bundesliga-Tor), ließ sich erkennen, dass die Mannschaft, wie auch in Teilen der ersten Halbzeit, Entwicklungen im Spiel angestoßen hat. Borussia ist in ihrem Ballbesitzspiel einen Schritt weiter gekommen.

Vor allem Diks gelingt es zunehmend, Anspiele im Halbraum zu erzeugen und dabei fluide zu agieren. Mit Castrop hat man auf dem linken Flügel einen Rechtsfuß gewonnen, der von Natur aus andere Winkel – insbesondere in Richtung Zentrum – bespielen kann. Die neue Diagonalität auf beiden Seiten sowie die Rotationen zwischen Scally und Honorat, die noch Luft nach oben haben, sind neue Elemente im Ballbesitzspiel.

Gegen Frankfurt, Freiburg und Union Berlin konnten die Fohlen in drei aufeinanderfolgenden Spielen über 60 Prozent Ballbesitz generieren. Dass Ballbesitz allein keine Tore schießt, war in Frankfurt und Freiburg schmerzhaft zu beobachten. Doch das Heimspiel gegen Union Berlin und selbst in Ansätzen beim Rekordmeister verdeutlichten, dass man das gegnerische Tor aggressiver attackiert.

Berücksichtigt man zudem, wie historisch stark der FC Bayern national wie international unterwegs ist, wird deutlich, dass dieses Spiel für die Fohlen kaum am Ergebnis messbar ist. Mit dem aktuellen Punkteschnitt würden die Bayern die Saison mit 90 Punkten beenden. Eine Marke, die in der Bundesliga lediglich von Jupp Heynckes’ Triple-Mannschaft der Saison 2012/13 übertroffen wurde (91 Punkte) und die Pep Guardiolas Dominanzsaison 2013/14 (90 Punkte) einstellen würde. Ganz abgesehen davon, dass sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den All-Time-Torrekord einer Bundesligamannschaft (101 Tore) knacken werden.

Die Spielleistung gegen Union Berlin muss die Basis für die kommenden Spiele der Fohlen sein. Insbesondere der kommende Gegner FC St. Pauli wird ähnlich kompakt und tief im 5-4-1 organisiert sein, wie es Baumgart mit seiner Mannschaft versuchte. Diese Dominanz und Aggressivität im letzten Drittel wird es erneut brauchen, um erfolgreich zu sein.

Borussia hat es selbst in der Hand: St. Pauli, Köln und Heidenheim heißen die nächsten drei Gegner, ehe es in die Länderspielpause geht – darunter zwei Heimspiele. Hier kann der Grundstein für ein etwas ruhigeres Saisonende gelegt werden.

Eine Analyse von Deniz Güler.

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