Die Borussia gewinnt ihr erstes Spiel in der Rückrunde und schlägt Union Berlin durch einen Last Minute Elfmeter verdient mit 1:0. Gladbach überzeugte im Gegensatz zu den letzten Wochen vor allem durch einem gut durchdachten Matchplan mit Ball. Man kontrollierte Ball und Gegner und fand immer wieder gut vorbereitet den Weg in die Tiefe. Wir blicken im Detail auf die Gründe für den Sieg der Borussia?
Eine Analyse vom Gastautor Felix.
Polanski veränderte die Startelf vor dem Spiel auf drei Positionen. Zum einen kehrte Reitz nach abgesessener Sperre zurück in die Startelf. Er ersetzte Takai, wodurch Sander wieder in die Dreierkette zurückkehrte. Links ersetzte Castrop Ullrich. Dieser Wechsel dürfte strategische Gründe gehabt haben, da Castrops Tiefgang und Flexibilität gegen einen Gegner wie Union durchaus gefragt waren. Außerdem ersetzte Mohya Bolin als linker Halbraumzehner und gab damit sein Startelfdebüt.
Die Gäste aus Köpenick setzten aus dem 5-2-3 auf eine ähnliche Startelf wie beim überraschenden Sieg gegen Leverkusen. Vor Torhüter Rønnow bildeten Nsoki, Querfeld und Doekhi die Dreierkette. Davor agierten Kemlein und Khedira als Sechser. Die Flügelverteidiger gaben Köhn links und Trimmel rechts. Jeong und Schäfer besetzten die Halbräume hinter Stürmer Burke.

Gladbach öffnet die Tiefe
Die Borussia agiert fast von Beginn weg balldominant im hohen Aufbau. Gegen das 5-4-1 Mtitelfeldpressing der Unioner baute man aus einem flachen 4+1 Aufbau heraus auf. Union tat sich gegen die hohe Präsenz der Gladbacher in der ersten Aufbaulinie dementsprechend schwer das Übergangspressing auszulösen. So agierte man fast ausschließlich passiv blockend. Burke stellte Solo Sechser Engelhardt zu, wodurch der Schotte jedoch keinen Zugriff auf Sander und Elvedi hatte. Die Borussia konnte dadurch ohne Gegnerdruck in der Kette zirkulieren.

Die passive Positionierung von Burke gab Sander auf der rechten Seite in der Anfangsphase mehrfach die Möglichkeit aggressiv auf den Block anzudribbeln. Über dieses Andribbeln gelang es der Borussia nach Verlagerung Schäfer aus der Mittelfeldkette herauszuziehen. Dieser schob in einem vertikalen Pressingwinkel den Halbraum isolierend auf Sander heraus. Durch seine offene Körperhaltung im weiten Andribbeln traf Sander seine Anschlussentscheidung erst so spät wie möglich, wodurch Schäfer maximal herausgezogen wurde. Dadurch konnte Scally nach Pass in die Breite Schäfer bereits mit dem ersten Kontakt überdribbeln. So war Union dazu gezwungen über Durchschieben von Köhn und Nsoki auf Scally und Honorat Balldruck zu erzeugen. Dies hatte gleich mehrere Nachteile für Union. Neben dem Bewegungsvorteil durch das in die Breite schieben von Nsoki lockerte sich zudem die Tiefensicherung und es entstanden große Lücken zwischen Nsoki und Querfeld. Der Österreicher agierte stets in einer engen Mannorientierung gegen Tabakovic, wodurch er auf diesen fokussiert blieb und die Lücke nicht über horizontale Verschiebung schloss. Zudem hatte Scally gegen Köhn durch dessen vertikales Rausschieben einen enormen Bewegungsvorteil.
Diesen wusste der Gladbacher Rechtsverteidiger jedoch nicht immer vollends auszunutzen. So agierte Scally bei der Ballannahme teilweise mit einer zu geschlossenen Körperhaltung. Dadurch nahm er sich selbst die Option auf Honorat in die Breite zu spielen. Über Spiel und Geh Muster hätte Scally anschließend den offenen Raum hinter Schäfer attackieren können und Dynamik erzeugen können. Diese Spiel und Geh Muster waren hin und wieder zu sehen, wären jedoch bei der guten Gegnerbindung Gladbachs noch häufiger möglich gewesen.

In den Positionierungen von Scally und Honorat war schon früh eine gewisse Variabilität zu erkennen. So rückte Scally mehrfach während des Andribbelns von Sander in den Halbraum ein. Dieses Einrücken hatte eine gegnerbindende Funktion. So gelang es Scally durch Läufe in den äußeren Halbraum Schäfer mitzuziehen. Dies öffnete eine direkte Verbindung auf Honorat. Durch eine entgegenkommende Bewegung in der Breite maximierte dieser den Bewegungsvorteil gegenüber Köhn. Über das Wegziehen von Schäfer durch Scally hatte der Franzose so einen freien Innenfuß. In diesen Fällen nahm Reitz, der eine schwimmende Funktion im rechten Halbraum hatte, eine höhere Positionierung ein. Dadurch zog dieser sowohl Nsoki aus der Kette, hielt aber auch die Aufmerksamkeit von Kemlein, wodurch dieser es verpasste seinen Rücken zu scannen und Läufe in die Tiefe aufzunehmen. Reitz besaß in diesen Aktionen ein sehr gutes Timing im Abkippen, um im Moment des freien Fuß von Honorat die Tiefe zu öffnen. Die geöffnete Tiefe wurde anschließend von Mohya auf der blinden Seite von Kemlein aus dem Zentrum heraus belaufen. Gerade die engen Abstände von Reitz und Mohya im Zwischenlinienraum in Verbindung mit der Gegenläufigkeit der Bewegung waren schwer für Union aufzunehmen. So musste Querfeld horizontal die Tiefe schließen, wodurch Honorat neben dem Chipball auf Mohya auch die Möglichkeit hatte, direkt auf Tabakovic zu flanken. Jedoch ließ in beiden Fällen die Präzision von Honorats Hereingaben mit dem schwächeren linken Fuß zu wünschen übrig.
Das Freiziehen der Tiefe neben beziehungsweise hinter Nsoki war das übergeordnete Thema der Borussia auf der rechten Seite, um anschließend auf möglichst direktem Weg gerade über den Block die Tiefe zu bespielen. Wichtig hervorzuheben ist, dass dies jedoch erst bei geeigneter Gegnerbindung geschah. Erst dann entschied man sich aus der Zirkulation heraus progressiv zu werden. Solange das Freiziehen dieser Räume nicht gegeben war, entschied man sich für die Stabilisierung der Spielkontrolle über Zirkulation.
Negativ hervozuheben ist in diesen Situationen bei allem Lob für Reitz auch das Defensivverhalten von Nsoki. Dieser stach wiederholt bei Abkippen von Reitz oder zeitweise auch Scally unkontrolliert heraus. Dabei verpasste er es mehrfach seinen direkten Gegenspieler an Kemlein zu übergeben. Zwischen den beiden fehlte in diesen Situationen mehrfach an Kommunikation. Dies kann auch am fehlenden Scannen der Tiefe liegen. Da Gerade Nsoki sich sehr leicht aus der Kette ziehen ließ und dann kaum mehr rücksicherte. Durch ein Scannen der Tiefe wäre es besser möglich gewesen Reitz zu übergeben oder ihm gar das Anspiel vor dem Block zu geben, um die Tiefensicherung nicht vollständig aufzugeben.
Die schwimmende Rolle von Reitz war generell recht interessant. Neben der gegnerbindenden Funktion im Zwischenlinienraum holte sich dieser auch wiederholt Bälle tief im rechten Halbraum ab. So wurde zum einen die Zirkulation angekurbelt, zum anderen bekam er temporär einen freien Fuß. Dieser freie Fuß vor dem Block führte dazu, dass Kemlein aus seiner Achterrolle herausverteidigen musste. Durch die vielen drucklösenden Optionen für Reitz erfolgte das Rausschieben von Kemlein eher blockend mit Fokus auf der Isolierung progressiver Optionen in den Block. Reitz behielt so seinen freien Fuß und konnte direkt die Tiefe bespielen. Dies geschah auch bei der frühen Großchance von Castrop in der 6. Minute als Tabakovic zentral aus der Kette kippte und Querfeld mitzog. Gleichzeitig war Doekhi sehr auf die Positionierung Mohyas im Zwischenlinienraum fokussiert. Castrop erkannte die Tiefe hinter Tabakovic und attackierte diese auf der blinden Seite von Doekhi. Auch hier ist das Scanning der Tiefe bei den Unioner Innenverteidigern wieder ein Thema. Doekhi scannt im Gegensatz zu Querfeld zwar, jedoch etwas zu spät und kann dann das Tempo von Castrop nicht mehr aufnehmen.
Die Abkippbewegungen von Tabakovic waren generell ein Dauerthema in der letzten Verteidigungslinie Unions. So ließ sich Tabakovic ständig in den Zwischenlinienraum fallen und beschäftigte damit die Innenverteidiger Unions. Zusätzlich suchte auch Honorat aus der Statik heraus wiederholt die Tiefe. Dadurch wurde die Unioner Kette dauerhaft gestresst und man musste sich neu orientieren.
Mohya lockt das Durchschieben
Auch auf der linken Seite lag der Fokus auf dem Erzwingen des Durchschiebens von Trimmel und Doekhi. Dafür kippte Mohya wiederholt aus dem Block und schaffte dadurch eine Verbindung zwischen Diks und Castrop. Aus Unioner Sicht erfolgten die Übergaben zunächst weitgehend sauber. Dies lag hauptsächlich an der guten Isolierung des Zentrums. So schob Jeong aus der Mittelfeldkette heraus auf Diks und isolierte über den vertikalen Pressingweg den Halbraum. Dadurch spürte Mohya bei Anspiel in die Breite einen direkteren Gegnerdruck von Trimmel und konnte sich noch so frei aufdrehen wie Scally oder Honorat auf der rechten Seite. Khedira positionierte sich zusätzlich raumorientiert im Zentrum und nahm ballorientierte Bewegungen von Reitz auf. Dieser kippte wiederholt auch auf die linke Seite, um sich im Druck anspielen zu lassen. Dies hatte den Nebeneffekt, dass Khedira nicht die Abkippbewegungen von Tabakvoic aufnehmen konnte. Auch aufgrund von Khediras größtenteils raumorientierter Spielweise im Zentrum tat man sich schwer aus dieser breiten Positionierung heraus flache Passwege auf Tabakovic zu finden oder direkt aus der Breite in die Tiefe zu kommen. Dabei hätten sich diese Aktionen gerade durch das Gladbacher Setup mit ausschließlich Rechtsfüßen – Diks, Castrop und Mohya – auf der linken Seite durchaus angeboten. Gerade über kurze Antritte im Dribbling aus der Breite heraus hätten sich so noch deutlich häufiger Wege ins Zentrum auf Tabakovic oder Reitz beziehungsweise Chipbälle aus dem Dribbling heraus hinter die Kette ergeben können.

Die Tiefe im Raum zwischen Querfeld und Doekhi wurde daher nach Locken des Durchschiebens in der Breite hauptsächlich aus der ersten Aufbaulinie nach Zurückverlagern auf Diks/Elvedi bespielt. Tabakovic lockerte wie bereits thematisiert durch ballorientiertes Abkippen die Tiefensicherung Unions und zog Querfeld aus der Kette. Mehrfach sorgte der bosnische Stürmer im dadurch erzeugten Raum selbst durch eine Doppelbewegung für Tiefgang. Der Fokus auf den Chipbällen von Diks oder Elvedi lag in diesem Fall mehr darauf Querfeld im Rückwärtsgang in ein Kopfballduell zu verwickeln und über anschließende zweite Bälle für Gefahr zu sorgen. Castrop schob in diesem Fall ballorientiert an die Kante der Box nach. Zusätzlich agierten Honorat und Scally ballfern weit eingerückt und suchten nach dem langen Ball den Weg in die Box beziehungsweise in die zweite Ball Zone. Auch die Chipbälle hinter Tabakovic auf die einlaufenden Honorat/Castrop wurden weiterhin gesucht.
Die Borussia zeigte generell eine sehr gute Energie bei zweiten Bällen. Über eine hohe Intensität und eine Vielzahl an boxorientiert nachrückenden Spielern gelang es mehrfach die zweiten Bälle nach langen Bällen aufzusammeln. Diese Dominanz vor der Kette lag mit Sicherheit auch am natürlichen Impuls der herausgezogenen Unioner Innenverteidiger. Diese orientierten sich bei Bällen über sie hinweg meist erstmal tiefensichernd in die Kette. Dadurch entstanden eben jene Räume im Zwischenlinienraum. Durch die hohe Aktivität in Richtung Box kam man nach Ballgewinnen so mehrfach zu Flanken auf den zweiten Pfosten.
Ein weiteres Element im Laufe der ersten Halbzeit waren die dynamischen Läufe von Diks. Bei Andribbeln von Elvedi agierte Diks teilweise ähnlich wie Scally auf der anderen Seite in das Zentrum einrückend. Dadurch wurde der direkte Passweg in die Breite auf Castrop geöffnet. Castrop kam durch die einfach besetzte Breite weiter entgegen und erlangte einen Zeitvorteil gegenüber Trimmel, während Diks den Lauf durchzog und Doekhi im äußeren Halbraum band. Durch diese Art der Läufe gelang es auch ohne Herauskippen von Mohya Trimmel und Doekhi direkt zu binden. Gerade weil Mohya in diesem Fall im Block agierte und Khedira eng band hätten sich hier durchaus Möglichkeiten ergeben Tabakovic flach ins Wanspiel zu bekommen. Castrop wählte jedoch den Chipball in die Tiefe. Der Idee dahinter war klar, jedoch verpasste es die Borussia in Momenten wie diesen Varianz in das Offensivspiel zu bringen.
Auch nach flachem Abspiel zur Verlagerung durch die Kette setzte Diks teilweise zu diesen Läufen an. Gerade gegen die Spielrichtung im letzten Drittel waren diese Läufe besonders effektiv. Dies liegt daran, dass Diks dadurch zum einen auf der blinden Seite die Box attackierte. Zum anderen war es schwer bei den klar gesuchten Mannorientierungen diese Dynamik in die Box fallend aufzunehmen. So kam Diks kurz vor der Pause zur womöglich größten Chance in dieser Partie nach einem Abpraller nach Fernschuss von Sander.
Unions Umstellung
Nah gut 25 Minuten reagierte Union auf den fehlenden Zugriff auf den Aufbau der Borussia und stellte auf ein 5-3-2 Mittelfeldpressing um. Jeong agierte nun neben Burke in der ersten Pressinglinie. Die Intention war es über Ausschieben der Stürmer das Andribbeln Innenverteidiger zu unterbinden. Dadurch sollte die Borussia früher zum Pass in die Breite gezwungen werden, ohne einen Spieler aus der Mittelfeldkette herauszuziehen. Die Achter sollten so deutlich raumorientierter vor der letzten Verteidigungslinie agieren. Auf den Flügeln setzte man weiterhin auf das konsequente Durchschieben der Flügel- und Halbverteidiger, wodurch sich weiterhin Räume für die Borussia ergaben. Durch das frühere unter Druck setzen durch die Stürmer Unions tat man sich nun allerdings schwerer bei Rückverlagerung aus der Breite und konnte deutlich seltener mit offenem agieren und darüber die Tiefe mit Chipbällen bespielen.

In dieser Phase der Partie drehte die erste Aufbaulinie deshalb mehrfach ab und suchte den Rückpass auf Nicolas. Union nutzte dies, um an Höhe zu gewinnen und die Mannorientierungen zu verstärken. Nicolas setzte bei mannorientiertem Zustellen hauptsächlich auf lange Bälle auf Tabakovic. Über gewonnene zweite Bälle kam man so mehrfach in vielversprechende Umschaltsituationen. Durch diese langen Schläge von Nicolas wurde das Spiel allerdings zwangsläufig etwas wilder und man büßte etwas an Spielkontrolle ein, wodurch Union auch etwas mehr wieder zurück ins Spiel fand.
Dennoch war die Umstellung auf das 5-3-2 kein Allheilmittel für Union. Gerade nach schnellen Verlagerungen durch die Kette hatte Union Probleme die vertikalen Passwege in den Halbraum zu isolieren. Eine wichtige Rolle bei diesen schnellen Verlagerungen spielte Engelhardt. Durch die Umstellung war dieser nun nicht mehr vollständig in der Manndeckung isoliert und konnte sich gerade bei Ausschieben eines Unioner Stürmers immer wieder zwischen den Stürmern entgegenkommend anbieten, um über Ablagen drucklösend zu verlagern.
So konnte man mehrfach über Sander oder Elvedi direkt vertikal den Halbraum bespielen. Diese Räume ergaben sich durch die weiten Verschiebewege der Achter Unions, die diese aufgrund der überspielten Stürmer zurücklegen mussten. Scally/Reitz konnten im Halbraum anschließend Nsoki herausziehen und mit dem ersten Kontakt in die Breite auf Honorat abzulegen. Dieser nutzte seinen Bewegungsvorteil, um mit einem Chipball die freigezogene Tiefe zu bespielen. Diese wurde vom tiefer agierenden Reitz/Scally als dritter Mann belaufen.
Fehlender Sechserzugriff im Übergangsspiel
Bei aller Positivität aufgrund des gut durchdachten Spiel mit Ball der Borussia gilt es auch die Probleme im Auslösen des Angrifffspressings bei hohen Ballbesitzphasen Unions zu erwähnen. Durch das hohe Maß an Spielkontrolle kam es zwar nur vereinzelt zu diesen Situationen, dennoch tat man sich schwer geordnet auszulösen.
Union agierte im hohen Aufbau hauptsächlich aus einem 3+1 Aufbau mit Kemlein als alleinigem Sechser. Dieser wurde zunächst von Mohya mannorientiert zugestellt. Der Youngster war gleichzeitig der erste Pressingauslöser. Über einen vertikalen Pressingwinkel sollte Mohya Kemlein isolieren und Druck auf Querfeld ausüben. Kemlein bewegte sich jedoch mehrfach gut aus dem Deckungsschatten heraus und wurde dadurch für Querfeld anspielbar. Diese offenen Passwege zwischen Mohya und Tabakovic/Honorat lagen auch an der breiten Positionierung der Unioner Flügelverteidiger. Gerade nach zuvorgegangenem Anspiel auf einen Innenverteidiger mussten Tabakovic/Honorat weite Pressingwege zurücklegen. Dadurch litt die zentrale Kompaktheit in diesen Situationen.

Union verpasste es jedoch diese Schwächen in der Auslösung effektiv zu nutzen. Gerade das Überdribbeln der ersten Pressinglinie hätte sich mit einem progressiven ersten Kontakt der Halbverteidiger angeboten. So hätten diese ihren Zeit- sowie Bewegungsvorteil gegenüber Tabakovic/Honorat nutzen können. Auch Kemlein fehlte es nach Anspiel hinter der ersten Pressinglinie mehrfach an Anschlussoptionen. Dies lag hauptäschlich daran, dass man über die Flügelverteidiger und Khedira versuchte die letzte Linie für lange Bälle zu überladen. Gerade Jeong und Khedira fehlte es jedoch bei Ballspiel mehrfach an Aktivität.
Tabakovic versuchte teilweise nach Anspiel über die rechte Seite durch einen ballfernen Bogenlauf auf Querfeld Mohya zu entlasten. In diesen Situationen hätte es sich für Union durchaus angeboten über Ablagenspiel vertikal in die letzte Linie Doekhi freizuspielen. Über dessen freien Fuß hätte man dann auch zum langen Ball in die letzte Linie kommen können. Bei aller Kritik an der fehlenden Aktivität Unions ist dabei allerdings auch die Konsequenz der Gladbacher Halbverteidiger hervorzuheben. Diese zeigten sich gerade bei den angesprochenen vertikalen Anspielen sehr konsequent. Generell zeigte Gladbach in diesen Momenten eine gute Intensität und schaffte so über gewonnene direkte Duelle den direkten Übergang ins eigene Ballbesitzspiel.
Die zweite Halbzeit: Diks dreht auf!
Union kam in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit mit einer guten Energie aus der Pause. Über einige gewonnene zweite Bälle gelang es das Spiel offener zu gestalten und zum Teil in die Hälfte der Borussia zu verlagern. Union gelang es auch durch mehrere Fouls den Spielrhythmus der Borussia zu brechen, wodurch man sich schwer tat die Ballkontrolle der ersten Halbzeit aufrecht zu erhalten. Erst nach rund zehn Minuten gelang es den Fohlen wieder ihr Ballbesitzspiel aus dem ersten Durchgang aufzuziehen.
Die Dynamik im Gladbacher Ballbesitzspiel blieb ähnlich zum ersten Durchgang. Auffällig war allerdings, dass Union aus dem Mittelfeldpressing nun schon deutlich früher versuchte, die Außenverteidiger Scally und Diks unter Druck zu setzen. Dazu war man auch bereit die Sicherung des Zentrums ein Stück weit aufzugeben. So agierten Köhn und Nsoki nun schon deutlich früher auf dem Sprung. Dadurch lief Köhn Scally auch in einem höheren Tempo an. Scally hatte so zwar nicht mehr einen so großen Zeitvorteil, jedoch einen viel größeren Dynamikvorteil. Diesen nutze er hauptsächlich über Spiel und Geh Aktionen mit Honorat gegen das Momentum von Köhn. Nach Abspiel auf Honorat konnte Scally so im Halbraum mit Dynamik den Ball in den Lauf bekommen. Köhn tat sich aufgrund des hohen Tempos im Anlaufen schwer die Bewegung von Scally aufzunehmen und war so leicht überspielt. Im Laufe der zweiten Halbzeit agierte Scally dann eher eingerückter und öffnete den direkten Passweg auf Honorat. Durch den dennoch bestehenden Zeitvorteil gelang es Honorat über Dribblingansätze mehrfach Flanken – auch aus dem Halbfeld – in die Box auf Tabakovic zu schlagen. Dies geschah trotz der eigentlich hohen Flankenqualität von Honorat an diesem Tag eher mit mäßigem Erfolg. Tabakovic tat sich in der Luft bei Hereingaben immer wieder schwer gegen die Unioner Innenverteidiger.
Auch auf der linken Seite suchte Union vermehrt den direkten Druck auf Diks. Bei Verlagerung der Borussia durch die Kette schob so Khedira aus dem Zentrum auf Diks heraus. Durch den aus dem Zentrum leicht diagonal kommenden Pressingwinkel schaffte man es nicht den Vertikalpassweg zu isolieren. Diesen suchte Diks mehrfach auf die rotierenden Mohya und Castrop. Gerade Mohya zeigte sich im Zwischenlinienraum sehr aktiv und konnte über seine Dribblingstärke und Ballsicherheit mehrere Freistöße ziehen. Die Kommunikation war in diesen Momenten auf Unioner Seite mehrfach nicht ganz klar. So agierten Doekhi und Haberer (für Trimmel eingewechselt) etwas zu sehr auf dem Sprung, wodurch ein Rausverteidigen von Doekhi auf Mohya nicht immer möglich war. Auch Castrop suchte in der zweiten Halbzeit vermehrt inverse Dribblings in den Raum hinter Khedira. Über seinen starken rechten Fuß konnte er sich so einen Abschluss aus der Distanz nehmen beziehungsweise mehrere Flanken in Richtung zweiten Pfosten schlagen. Diese blieben jedoch erfolglos.
Die wahrscheinlich interessanteste Personalie in der zweiten Halbzeit war Diks. Dieser schaltete sich weiterhin nach Abspiel in die Breite mit Läufen in das Offensivspiel ein. So auch beim aberkannten Tor, als Diks selbst nach Entgegenkommen von Castrop und Mohya den Chpball hinter die Kette auf den diagonal einlaufenden Reitz spielt. Diks erkennt nach Ablage von Reitz auf Castrop den Raum in der Tiefe und beläuft diesen aus der Tiefe des Raumes, und verwandelt selbst. Für Kemlein war es durch die Dynamik des Laufs nahezu unmöglich Diks aufzunehmen. Im Laufe der zweiten Halbzeit wurde die Rolle von Diks immer freier und aktiver. So positionierte sich Diks nun etwas breiter und höher als Verbindungsspieler zwischen Elvedi und Castrop. Aus dieser Positionierung hatte der Indonesier sehr viele Freiheiten. So konnte er quasi jeden offenen Raum, den er erkannte attackieren. So tauchte Diks teilweise auch im Zwischenlinienraum auf und setzte dort Tabakovic in Szene oder blieb nach einem Lauf für Flanken von Honorat in der Box. Diks war schlichtweg der Aktivposten in Gladbacher Spiel und kurbelte das Offensivspiel immer wieder durch Andribbeln oder kreative Läufe an.
Fazit: So spielt man gegen Fünferketten!
Nach den durchwachsenen Leistungen der letzten Wochen zeigt die Borussia gegen Union eine über 90 Minuten starke Leistung. Man agierte mit Ball strukturiert und dominant. Die Borussia zeigte einen klar zurechtgelegten Matchplan die Tiefe durch geschickte Gegnerbindung freizuziehen. Dieser Plan ging gegen die Fünferkette Unions trotz teilweise unsauberer Ausführung voll auf und man hätte sich durchaus schon früher mit einem Tor belohnen müssen. Bis auf kleinere Probleme in der Pressingauslösung, die Union jedoch nicht zu bespielen wusste, zeigte man auch gegen den Ball gegen ein weitgehend harmloses Union Berlin eine sehr stabile und erwachsene Leistung. Auch aufgrund der eigenen Stärke mit Ball kam Union zu nahezu keinen Abschlüssen. Insgesamt kann die Borussia trotz des sehr spezifischen Matchplans für dieses Spiel auf der Leistung gerade im Bespielen tiefstehender Fünferketten mit Blick auf die kommenden wichtigen Spiele gegen St Pauli, Köln oder Heidenheim aufbauen.
Eine Analyse vom Gastautor Felix.

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