Frankfurt, ein Gegner ohne Pflichtspielsieg 2026, ein Borussia-Team, das eigentlich besser war – und trotzdem keine Punkte. Was bleibt nach diesem Spiel? Frust? Kopfschütteln? Oder doch ein bisschen Hoffnung?
Ganz so einfach ist es nicht. Die Fohlen zeigten in der Commerzbank-Arena eine ordentliche Leistung, hatten Feldvorteile – und wurden am Ende von der eigenen Harmlosigkeit im Angriff bestraft. War es also ein Schritt nach vorne, der sich nur falsch anfühlt? Oder schlicht zu wenig gegen einen Gegner, der zum Greifen nah war?
@maetthimoped und @floriflanz nehmen das Spiel in der neuen BorussiaXplained Caster-Class auseinander, suchen nach Antworten – und finden hoffentlich welche.
Die (Fehler-) Analyse zum Defensivspiel der Fohlen gibt es hier – von @denizguelr:
Aufstellungen

Frankfurt startete in einem klaren 3-4-3, das sich im Ballbesitz funktional zum 3-Raute-3 umstrukturierte. Gladbach stellte sich mit einem kompakten 3-5-2 dagegen – eine Formation, das sowohl defensive Stabilität als auch Zugriff im Mittelfeld versprach.
Spielstatistiken
| Statistik | SGE | BMG |
| Ballbesitz | 46 % | 54 % |
| Schüsse gesamt | 12 | 21 |
| Schüsse auf Tor | 8 | 4 |
| xG | 1.48 | 1.23 |
| Eckbälle | 2 | 8 |
| Fouls | 9 | 9 |
| Gelbe Karten | 3 | 2 |
Die Statistiken erzählen eine aufschlussreiche Geschichte: Gladbach hatte mit 54 Prozent zwar mehr Ballbesitz und schoss fast doppelt so häufig aufs Tor (21 zu 12), war dabei aber gefährlich ineffizient – nur vier Schüsse kamen auf das Frankfurter Gehäuse. Frankfurt hingegen verwertete seine wenigen Chancen gnadenlos: acht Schüsse auf Tor sprechen für eine höhere Chancenqualität.
Grundstrukturen: Wie beide Teams ins Spiel gingen
Frankfurts Aufbau: Die Raute als Herzstück
Im Spielaufbau transformierte sich Frankfurts 3-4-3 in eine 3-Raute-3 Staffelung. Hugo Larsson rückte dabei als Sechser ins Zentrum der Raute, während Nathaniel Brown und Ritsu Doan als weiträumige Achter die Flügelpositionen besetzten. Mario Götze vervollständigte das Konstrukt als Zehner.
Diese Struktur verfolgte eine klare Absicht: durch die Raute im Mittelfeld numerische Überlegenheit in zentralen Zonen herzustellen und gleichzeitig über die weiträumigen Achter Breite anzubieten. Bemerkbar machte sich diese vor allem auf Frankfurts rechter Seite, wo ein dreifach besetzter Korridor gegen Stöger und Ullrich einen strukturellen Überzahl (3-gegen-2) kreierte.


Gladbachs 5-4-1 wird zur Raute
Gladbach begann mit einem 3-5-2, das auf Stabilität im Zentrum ausgelegt war. Nicolas hinter einer Dreierkette mit Sander, Elvedi und Takai, davor ein Fünfermittelfeld mit Castrop, Reitz, Engelhardt, Stöger und Ullrich. Honorat und Tabakovic als Sturmspitze.
Als Reaktion auf Frankfurts Raute im Mittelfeld bildete Gladbach im Laufe der ersten Halbzeit in der Defensive dynamisch eine eigene Raute heraus. Aus dem 5-4-1 wurde ein 4-3-1-2, bei dem im Mittelfeldzentrum eine Rautenstruktur entstand. Der entscheidende Gedanke dahinter: Numerisch sollte Gladbachs Raute die Frankfurter Raute ausgleichen und deren Spielflüsse im Zentrum unterbinden.

Frankfurts Angriffsmuster und Gladbachs Reaktion
Die linke Seite als Hauptangriffspfad
Während Frankfurt gelegentlich über den rechten Flügel zu Kreuzungen kam, konzentrierten sich die gefährlichsten Angriffe der Eintracht auf die linke Seite. Nathaniel Brown als linke Acht war der Dreh- und Angelpunkt dieses Musters: Positioniert im linken Halbraum riss er das Spiel zunehmend an sich und schuf damit eine Dynamik, mit der Gladbach strukturell nicht optimal umging.
Das Kernprinzip Frankfurts auf dieser Seite:
- Mit LIV Koch aus der Dreierkette den linken Flügel mit drei Spielern (Brown, Bahoya, Koch) überladen.
- Castrop im Halbraum durch Browns Position binden und Sander in isolierte 1-gegen-1-Situationen gegen Bahoya verwickeln.
Die Wirkung war durchschlagend: Castrop und Sander wurden als Duo früh und weit nach raus gezogen. Gleichzeitig streckte Frankfurt durch seine Staffelung auf der rechten Seite auch Ullrich und Takai heraus. Die Folge waren Lücken innerhalb der Abwehrkette, die von Stöger und vor allem Engelhardt aufgefüllt werden mussten – mit zunehmend überwältigenden Anforderungen.
Gladbachs Reaktion
Gladbach reagierte mit zwei Maßnahmen: Erstens rückte Stöger deutlich tiefer, um Doan auf Frankfurts rechter Seite unter Kontrolle zu halten und Balldruck aufzugeben. Das war vertretbar, weil Gladbach insgesamt gut durchschob – Stöger sprang frühzeitig zu Kristensen, Ullrich vertikal zu Doan, Takai horizontal zu Echghouyab.
Zweitens entwickelte sich auf der linken Seite de facto eine Manndeckung von Castrop auf Brown. Castrop, als rechte Acht Teil der Mittelfeld-Raute, folgte Brown in den Halbraum. Damit wurde Sander zum Rechtsverteidiger gegen Bahoya – eine Zuteilung in der Praxis jedoch aus zwei Gründen scheiterte:
- Sander gegen Bahoya: Der wendige und dribbelstarke Bahoya war für Sander auf dem Flügel kaum zu verteidigen. Die Einzel-Duelle auf der Außenbahn gingen zugunsten des Frankfurters aus.
- Castrop im Halbraum: Castrops Stärken liegen in der defensiven 1-gegen-1-Situation, die er im Halbraum jedoch nicht in Anwendung fand. Seine Stärken wären somit von zentraler Bedeutung gewesen, um Bahoya auf dem Flügel zu verteidigen, während Sander im Halbraum aggressiv auf Brown durchschiebt. Castrops individuelle Defensivqualität in dieser Zone war begrenzt, womit der taktische Vorteil der Manndeckung verpuffte.
Die Tore in der Analyse
Das 1:0 (24. Minute)
Beide Tore entstehen auf Gladbachs rechtem Flügel und haben in der Enstehung einige, ähnliche Muster. Frankfurt spielte früh auf den linken Flügel, wo Sander und Castrop als Duo erst rausgezogen und anschließend überspielt wurden. Der entscheidende Fehler lag in der Abstimmung beider Spieler: Als Frankfurt auf dem linken Flügel durchbrach, agierten Castrop und Sander nicht als Einheit. Castrop verpasste es, den Tiefenlauf rechtzeitig aufzunehmen.
Engelhardt – gezwungen, die Abwehrkette aufzufüllen – rückte nach außen nach und fehlte dadurch im zentralen Rückraum. Brown, clever im Halbraum positioniert, fand dort den Platz für den Abschluss zum 1:0.


Das 2:0 (34. Minute)
Das zweite Tor ist das Musterbeispiel für Gladbachs strukturelles Problem auf der linken Seite. Bahoya gewann sein 1-gegen-1 gegen Sander und dribble in den Innenbereich ein – wo er auf keinen Gegenspieler traf. Die Abwehrkette war in der Breite so weit auseinandergezogen, dass Engelhardt als zentraler Sechser die Kette auffüllen und im Zentrum VOR der Abwehr fehlte – sodass die Verlagerung auf den ballfernen Flügel im Zusammenspiel mit Dahoud als falsche Neun problemlos gelang. Das Ergebnis war das 2:0.


In beiden Fällen war die Ursache dieselbe: Frankfurt überlud den linken Flügel mit Brown, Bahoya und Koch, zog die Abwehrkette auf beiden Seiten in die Breite, und schaffte dadurch in den Schnittstellen Freiheiten, die Engelhardt nicht alleine stopfen konnte, ohne an Präsenz im Sechser-Raum zu verlieren.
Was hätte Gladbach besser machen können?
Ballorientierte Verschiebung statt starrer Positionen
Eine These: Zur Verteidigung der Frankfurter Flügelangriffe wäre eine ballorientierte Verschiebung der Restkette eine Möglichkeit gewesen. Elvedi, Takai und Ullrich blieben starr in ihren festen Positionen – weit entfernt vom Geschehen auf Gladbachs linker Seite. Die Folge: Auf genau dieser Seite entstanden große Räume, die Engelhardt stopfen musste.
Eine ballorientierte Kette hätte mehrere Effekte erzeugt: Engelhardt hätte durch die Raumverknappung, die eine ballorientierte Restkette erzeugt hätte, im Zentrum verteidigen können, ohne weit nach außen zu rücken. Alternativ hätte er ballfern die Kette auffüllen können, um eine mögliche Verlagerung der Frankfurter numerisch auszugleichen.

Fragliche Personalentscheidungen?
Neben dem strukturellen Problem gab es eine personelle Frage: War die Zuteilung Sander gegen Bahoya und Castrop gegen Brown die optimale Lösung? Die beiden Torsituationen sprechen eher dagegen. Sander ist ursprünglich ein Mittelfeldspieler, der über Laufvolumen- und Intensität verfügt – und Nachteile in der Geschwindigkeit und Beweglichkeit hat – also kein Flügelverteidiger. Bahoya ist auf dieser Position, gegen diesen Gegnertyp, ein ungünstiges Matchup für ihn.
Castrop hingegen wurde durch die Manndeckung auf Brown in eine defensive Halbraumaufgabe gezwungen, die nicht zu seinen Qualitäten passt. Castrops Dynamik und Zweikampfstärke wäre auf den Flügeln gegen Bahoya in Theorie ein passendes Match gewesen. Die positionelle Auffangmaßnahme war nachvollziehbar; die personelle Umsetzung blieb ein Problem.
Fazit: Ganz okay, und nie so richtig schlecht – aber doch zu wenig
Borussias Defensivspiel ist in allen Spielphasen recht okay, weit weg von einer Katastrophe. Und manchmal gibt es vereinzelte Lichtblicke, in denen ein aggressiveres Pressing funktioniert. Doch es bleibt dabei. Selten kommen die Fohlen über längere Phasen des Spiels in eine höhere Aktivität – der Versuch, diese Aktivität Woche für Woche umzusetzen, bleibt jedoch. Die Frage der Entwicklung ist dahingehend schwierig zu bewerten, weil aus subjektiver Sicht die Fohlen recht früh im Spiel Substanzverluste verzeichnen, und nach 20-25 Minuten drastisch in der vertikalen Höhe fallen. Strukturell ist es meistens okay, individuell manchmal wild besetzt – wie in der Entstehung zum 2:0 der Frankfurter. Und dennoch bleibt die Beobachtung, dass die Mannschaft im passives Modus immer noch in der Mann- statt Raumorientierung kleben bleibt. Etwas, das im November letzten Jahres deutlich besser klappte: Block- und Raumverteidigung.
Die Fohlen haben nicht viel zugelassen und vor allem das zweite Gegentor fällt in der Endkonsequenz aus einem 1vs1 am Sechszehner-Eck, das unglücklich durch Ullrich abgefälscht wird. Und sicher, man würde etwas weniger über die Defensivleistung reden, wenn die Offensivqualität nicht so schwach wäre – aber solange das der Zustand des Kaders ist, müssen die Fohlen zurück zur Dominanz im Defensivspiel, die sie im November 2025 auszeichnete: Kompaktheit und die nötige Aggressivität rund um unseren Sechzehner.
Eine Analyse von Deniz Güler (@denizguelr).

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