5. Spieltag: Worauf es im Heimspiel gegen Frankfurt auch ankommt

Die Wende unter Polanski: Defensive Stabilität als Fundament

Der Auftritt in Leverkusen war mehr als nur ein überraschender Punktgewinn – er war das erste sichtbare Zeichen einer ersten Transformation unter Gerardo Seoanes Nachfolger. Eugen Polanski gelang es in kürzester Zeit, das zu schaffen, was seinem Vorgänger verwehrt blieb: Energie und Leidenschaft mit einer neuen Spielweise in der Defensive zu vereinen. Die Fohlenelf agierte kompakt, dann aber auch aggressiv und klar in den Abläufen. Durch die höhere Spielwirksamkeit verkörperte die Borussia eine Mentalität, die in letzter Zeit viel zu oft vermisst wurde. Besonders bemerkenswert war die veränderte Spieltaktik im Defensivspiel, die Bayer Leverkusen über weite Strecken neutralisierte und Borussia wieder zu einer schwer bespielbaren Einheit formte. Die Analyse dazu findet ihr hier.

Doch der nächste Lackmustest für Polanskis Elf und dessen Spiel steht bevor. Was in Leverkusen, neben dem veränderten Defensivspiel – in ersten Ansätzen zu erkennen war – muss nun im Heimspiel gegen Frankfurt weitere Entwicklungsschritte gehen:
Ein strukturiertes Positionsspiel im Ballbesitz mit synchron besetzter Raumaufteilung. Die Andeutungen eines variablen Aufbauspiels und die Fähigkeit, auch bei eigenem Ballbesitz die defensive Stabilität nicht zu vernachlässigen, werden in einem Heimspiel gegen eine Frankfurt-Elf, die selbst Ballbesitzmomente auskostet, mitentscheidend sein. Denn der Ballbesitz ist nicht nur eine rein offensive Spielvision; sie verhindert, dass der Gegner den Ball hat und folglich Tore schießen kann. Dadurch schafft man also Entlastungsphasen vom intensiven Defensivspiel.

Borussias Power-Play in Leverkusen in den letzten 15 Minuten

Borussias Staffelung im Ballbesitz: Stöger und Neuhaus zwischen den Linien; 3-2-2-3

Eugen Polanski wechselte nach dem Rückstand in Leverkusen mit Florian Neuhaus unmittelbar einen weiteren Zehner ein. Die Grundordnung im Ballbesitz: 3-2-2-3 (3-Box-3).

Borussia interpretierte dies im Ballbesitz in die Breite abkippend, denn: Leverkusen verdichtete nach ihrer Führung im 5-4-1 das Zentrum, und verteidigte kompakt im Raum. So zog man, durch das Abkippen von Stöger, das Spiel in die Breite, um den Gegner anzulocken und in Folge dessen Räume im Zentrum zu öffen.

Durch die diagonale Verbindung der ballfernen Seite, also Neuhaus´ Position im Verhältnis zu Stöger, schaffte die Spielfortsetzung. So gewann die Borussia an Progressivität und Verlagerungsspiel und vor allem konnte sie sich so im letzten Drittel des Gegners festsetzen.

Auf der anderen Seite im letzten Drittel angelangt waren klassische Positionsspiel-Prinzipien zu erkennen: Dreiecksspiel in Ballnähe; Gleichzeitige Tiefe in der letzten Linie. Dazu spielten die Wingbacks, Ullrich und Scally, die Hauptrolle.

Gerade Florian Neuhaus war nach seiner Einwechslung sehr präsent in der Spielentwicklung, sodass die Fohlen zum Beispiel einzelne Durchbrüche am Flügel schufen. In der Beispielszene war zudem das Spiel rund um und in der Box im Timing, sowie im Verhältnisspiel zueinander clever abgestimmt. Machino drückte mit seinem Tiefenlauf die Abwehrkette des Gegners, sodass Stöger im gewonnen Zwischenraum seine Positionierung zentral vor dem gegnerischen Tor fand. Neuhaus´und Ullrichs Spiel konnten Stöger finden – seine Chance hatte immerhin einen xG-Wert von 0.15.

Borussias Positionsspiel im Gesamteindruck/ Videobild

Der nächste Schritt: Ballbesitz als weiteres Defensivkonzept

Die defensive Stabilität wird weiterhin den Fokus im Trainings- und Spielbetrieb bestimmen – daran wird sich auch in den kommenden Wochen nichts ändern. Weiterhin gilt es, die Abläufe zu verfeinern und Pressingauslöser noch präziser zu definieren, um die wiedergewonnene Aktivität im Defensivspiel zu konservieren. Doch der eigentliche Kern dieses taktischen Wandels liegt tiefer: Ballbesitz und Positionsspiel sollen nicht nur der Torgefahr dienen, sondern als zusätzliches Instrument der defensiven Auslastung fungieren. Wer den Ball kontrolliert, kann ihn dem Gegner entziehen – und schafft sich gleichzeitig Räume und Momente für die offensive Entfaltung.

Die anstehenden Heimspiele gegen Frankfurt und Freiburg werden zu weiteren Momenten dieser Entwicklung. Hier muss Borussia beweisen, dass die letzten 15 Minuten in Leverkusen mehr waren als nur ein visionärer Trailer – sie müssen zum kompletten Film werden. Die Szenen von kontrolliertem Ballbesitz, synchroner Raumbesetzung und der Konterabsicherung, auch in der Offensive die defensive Grundordnung nie aus den Augen zu verlieren, gilt es nun auszubalancieren.

Eine Analyse vom Deniz Güler (@denizguelr).

Hinterlasse einen Kommentar