Gladbach wird von den Störchen aufgefressen – die Analyse

Am 31. Spieltag der Fussball Bundesliga muss Borussia (erneut) einen Dämpfer hinnehmen und unterliegt dem Bundesliganeuling aus Kiel mit 4:3 nach einem wilden Spiel. An anderer Stelle nannten wir solche Spiele bereits Freakspiele und auch das Spiel im Norden Deutschlands lässt sich so zusammenfassen. Warum Gladbach so eine Partie erneut nicht für sich entscheiden kann, erklärt euch Marc in der Analyse.

Grundformation: Erneut verletzungsbedingte Wechsel

Im Vergleich zum Auswärtsspiel im Signal Iduna Park aus der Vorwoche musste Trainer Gerardo Seoane erneut einen verletzungsbedingten Ausfall verkraften. Mit Nico Elvedi fehlte einer der beiden Stamminnenverteidiger. Er wurde ersetzt vom Fabio Chiarodia, während Robin Hack zurück in die Startelf kehrte für Kevin Stöger. Die Kieler hingegen traten mit der gleichen Startelf an, die in der Vorwoche ein beachtliches und verdientes 1:1 Unentschieden bei RB Leipzig verbuchen konnte.

Borussia überrascht im Aufbau

Zu Beginn der Partie war immer wieder zu erkennen, dass Borussia die Kieler ins Pressing locken wollte, indem man im 3-1 Aufbau agierte. Rocco Reitz kippte immer wieder ab, während Weigl als Anker vor der Kette agieren sollte. Hierbei waren die Fohlen variabel, schoben situativ Reitz eine Linie höher und agierten mit einer asymmetrischen Viererkette und Joe Scally auf der Halbverteidigerposition. Kiel war somit geneigt dazu, die Fohlen in erster Linie im 1-1 anzulaufen. Gladbach fand zu selten den flachen Exit über den Flügel mit Scally oder Cvancara, da Kiel hier mutig durchpresste in Person von Tolkin.

Der perfekte Schlüssel gegen im Mittelfeldpressing agierende Kieler zeigte sich nur selten. Immer dann, wenn aus der eigenen Dreierkette im Aufbau ein linienbrechender Ball auf einen der entegegenkommenden Gladbacher Offensivakteure gelang, konnte Borussia über das Ablagenspiel in dritte Linie vorrücken und gleichzeitig mit einem Pass 5 bis 6 Kieler Akteure überspielen. Zu selten gelang es dem Team von Gerardo Seoane dann jedoch das Tempo hochzuhalten. So gab es einige vielversprechende Situationen, wie die untere, in denen dann das Tempo jedoch zu sehr verschleppt wurde und Kiel somit wieder in die defensive Kompaktheit finden konnte.

Defensives Risiko wird nicht belohnt

Wie auch bereits in der Vorwoche in Dortmund liefen die Fohlen in Mannorientierung an und versuchten, die Kieler früh unter Druck zu setzen. Dies gelang auch in den ersten Minuten in sofern ganz gut, als dass die Gastgeber häufig zum Ausweg des langen Balls greifen mussten, den Borussias Hintermannschaft gut verteidigt bekam, bis..

.. Chiarodia in Minute 23 mit seinem schlechten Rückpass auf Jonas Omlin die Tür öffnete für das zwischenzeitliche 2:0 der Kieler. Solche Fehler können – bedenkt man auch das Alter von Chiarodia und den fehlenden Rhythmus – passieren, allerdings häufen sie sich in letzter Zeit leider.

In der Folge wurden die Kieler immer mutiger im eigenen Ballbesitz, während die Borussia zwar kompakt weiterhin anlief, aber oft einen Schritt zu spät war und ballentfernte Räume offenbarte. Ein konsequentes Anlaufen, angefangen mit dem Lenken von Tim Kleindienst, dem Druck von Plea und Cvancara, erfordert, dass die Fohlen danach kompakt auf der Ballseite agieren und im besten Fall den Ballgewinn forcieren können. Gegen Kiel jedoch verpasst man diesen Ballgewinn zunehmend und musste die zwangsläufig entstandenen ballentfernten Räume schmerzlich merken. Kiel löste sich mit dem Selbstvertrauen der frühen, vermeintlich komfortablen Führung immer besser aus dem Druck und schaffte es das Gladbacher Pressing zu brechen.

Die Fohlen mussten somit enorme Laufarbeit leisten, um die Räume wieder zu schließen und verloren sich dabei, wie schon in Dortmund zuletzt, in ihrer Positionierung ein wenig selbst. Kiel agierte mit Tiefenläufen aus dem Halbraum hinter die Gladbach Verteidigungslinie, da diese ballnah gebunden wurde und ballentfernt (im Bild unten Scally) die sich öffnenden Räume zu spät erkannten und schließen konnten. Somit gelang es den abstiegsbedrohten Gastgebern immer wieder mit vertikalen Chipbällen hinter die letzte Linie der Fohlen zu kommen, diesen Raum zu belaufen und den Fohlen weh zu tun.

Verbesserte Fohlen kommen zurück – oder doch nicht

Nach der Pause tritt das Team von Trainer Gerardo Seoane, wie so oft, besser auf. Sie sind zwingender im Aufbau, dribbeln mutiger an und sind in den Halbräumen präsenter als noch im ersten Durchgang. Besonders Plea zieht es, wie bereits in Dortmund, immer wieder in den Halbraum, wo er gefunden werden kann.

Zudem agieren die Fohlen nun deutlich vertikaler, suchen häufig die Tiefe und sind auch im Ablagenspiel konsequenter mit höheren Tempo in der Anschlussaktion. So schaffen sie es den Druck auf Kiel zu erhöhen. Sie gewinnen mehr zweite Bälle und schaffen es dank dieser immer mehr, den Druck auf die Störche zu erhöhen. Das Resultat sind die beiden Tore, die ein zwischenzeitliches Unentschieden auf die Anzeigetafel bringen.

Die fehlende Konsequenz

Mit dem Ausgleich im Rücken ist Gladbach weiterhin mutiger im Aufbau als noch im ersten Durchgang. Sie finden die Dreicke zum Schaffen der Überzahlsituation und den Druck über den freien Fuß im Zentrum aufzulösen. Nichtsdestotrotz schneiden sie sich mit individuellen Fehlern erneut ins eigene Fleisch. Das 3:2 der Kieler ist ein Paradebeispiel dafür, dass der Fussball ein Fehlersport ist. Zunächst ist der Ball von Friedrich auf Scally unsauber, ehe Weigl den Ball an den heraneilenden Kieler Stürmer verliert. In der Folge sieht dann zu allem Überfluss auch Jonas Omlin nicht wirklich glücklich aus und Kiel führt erneut. Dass die Fohlen dennoch zurückkommen können daraufhin durch Franck Honorat, spricht für dieses Freakspiel.

Fazit: Eine mehr als unnötige Niederlage

Schaut man auf die Fakten, so ist diese Niederlage verdient. Wenngleich die Borussia laut Sofascore 63% Ballbesitz hat, lassen sie mit 3,49 xGoals definitiv zu viel zu. Bedenkt man nur, dass 2 bis 3 der 4 Tore der Kieler aus eigenen, individuellen Fehler(ketten) entstehen, so ist dieses Ergebnis maximal unnötig. Auch wenn die Borussia in diesem Spiel noch einmal zurückkommen kann, stehen am Ende mit 1,69 xGoals auch zu wenig gefährliche Situation zu Buche.

So gewinnt Kiel am Ende durch den Treffer von Machino mit 4:3 und lässt die letzten Europahoffnungen der Borussia erlischen. Nichtsdestotrotz muss man auch festhalten, dass diese Borussia nicht reif genug für Europa ist. Dieses Spiel in Kiel erinnerte mehr an die Vorsaison (Hoffenheim Auswärts 4:3) als an Spielzeiten, in denen man am Ende das internationale Geschäft erreichte. Dass diese Partie gegen Kiel ein Freakspiel wurde, lag vor allem an der fehlenden Konstanz der Borussen. Zu viele individuelle Fehler gepaart mit einer guten Hälfte im Ballbesitz zu wenig sorgten somit für eine erneute Niederlage im Saisonendspurt. Borussia muss solche Spiele mit der Qualität in den eigenen Reihen einfach mehr kontrollieren und souveräner bestreiten.

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